Seit ein paar Tagen pflege ich wieder meine Migräne. Wenn mich jemand fragt warum, antworte ich: „Wegen dem Wetter.“ Dass es natürlich ganz andere Gründe sind verschweige ich tunlichst. Seit der Roland in Hessen bekundet hat auch Grundschüler in den Knast sperren zu wollen, mag ich gar nichts mehr zu diesem Themenbereich sagen, aus Furcht man könnte mich in der nächsten Karnevalssitzung nicht mehr zur Prinzessin wählen.
Und dabei bin ich der festen Überzeugung, dass manchen Eltern die Worte Kochs wie ein Schalmeien-Konzert vorgekommen sein müssen, beim Anblick ihrer Sprösslinge. Schließlich würde man sich über ein paar schöne Tage freuen, während der Junior hinter Gittern mal die Seele baumeln lässt. Aber nun wird wohl doch nichts daraus und die letzte Hoffnung bleibt die Kathi Saalfrank mit ihrer stillen Treppe.
Ich wohne seit zwei Jahren gegenüber einer Ganztags-Grundschule. Zuerst dachte ich mir: Prima, ich mag Kinder. Doch dann kam alles ganz anders. Im ersten Sommer saß ich lesend auf meinem Balkon, als Kinder vom Schulhof aus über die Straße hinweg meinen Balkon als Basketballkorb umfunktionierten. Meine Geranien in den Terrakotta-Schalen waren nicht mehr zu retten und vielen meinem Nachbar fast aufs Auto. Ich hingegen kam mit einer lädierten Sonnenbrille davon. Da dachte ich mir: Ok, gehst du halt in den Park zum Lesen. Lesen wird ohnehin überbewertet.
An die regelmäßigen Weckrufe Morgens um halb acht, wenn sich die Kinder freundlich mit „Ey du Arschficker“ oder „Fick dich du Wichser“ begrüßten, gewöhnte ich mich rasch. Auch gewöhnte ich mich daran, dass Eltern ihre Kinder jeden Meter zur Schule hinfahren und sie wieder abholen und dabei ein riesiges Verkehrschaos fabrizieren (weil die meisten Frauen ja immer zu große Autos fahren müssen und damit rangieren, wie mit einem Panzer Leopard).
An Grillfeste, pöbelnde Lehrer („Zieh den Kevin mal hinter der Treppe hervor, bevor ich mich vergesse!“ und ähnliches), an den LKW der jeden Tag mit laufendem Motor das Mittagsessen anliefert, nachmittäglichen Dauerlärm (der meist so ähnlich klingt wie morgens um kurz vor acht) – an all dies konnte ich mich bis jetzt gewöhnen. Nur eins setzt mir im letzten halben Jahr extrem zu: Die Trommel-Bongo-AG, die sich bei schönem Wetter auf dem Schulhof zum Üben einfindet und meine Migräne wieder herausfordert. AUA!
An Dir ist die Du-bist-Deutschland-Kampagne also völlig vorbeigegangen.
Ne aber sie fühlt sich einfach nur Brandenburg!
ausgebrandenburgt würd ich sagen…..