February 12, 2008

Ihr habt Euch verdient!

Der Spruch fällt mir meist bei Pärchen ein, die jeder für sich schon so unerträglich sind, dass beide zusammen das Maß an Erträglichkeit geradezu sprengen. Im Grunde ist man aber froh, dass sich diese zwei Arschlöcher gefunden haben. Konkrete öffentliche Beispiele hierfür sind zum Beispiel die Beckhams. Wenn die sich nicht gefunden hätten würde jeder einzeln sein Unheil im Blätterwald treiben und der Leser müsste es doppelt ausbaden.

Während mir dieser Spruch sonst immer nur im kleinen in den Sinn kommt, so kam er mir vor ein paar Tagen in großem Stil in den Sinn. Und zwar, als ich las, dass der Deutsche Kulturrat sich über das Sendeformat Deutschland sucht den Superstar echauffiert. Man mokierte die “mediale Brutalität”, “den “grenzenlosen Voyeurismus” und die “Lust an Erniedrigung.”

Bei diesen Worten dachte ich achselzuckend: Liebe Kulturfreunde, willkommen im 21. Jahrhundert! So sieht unsere Gesellschaft in weiten Teilen nun einmal aus. Diese Gesellschaft hat Bohlen und die zwei Azubi-Assis verdient. Mehr noch, diese Gesellschaft wäre irritiert, auf Entzug und würde die Welt nicht mehr verstehen, wenn es anders im Fernsehen zugehen würde. Die Zeiten, wo jemand aus freien Stücken liest, ins Museum oder Theater geht, humanistisches Gedankengut pflegt und Mitglied der Klassik Stiftung Weimar ist, sind größten Teils vorbei. Der Zug ist abgefahren und daran ändern auch so Pseudo-Newcomer nichts, die das Bücher schreiben in irgendeinem Sommerkurs gelernt haben oder ihr Theater-Studium mit eins abgeschlossen haben. Das interessiert keine Sau, abgesehen von einer kleinen elitären Minderheit in Deutschland.

Ein Professor an der Uni hat einmal gesagt, dass es eine viel größere Kunst sei für den Massengeschmack zu schreiben, als für wenige Intellektuelle. Der Geschmack der Massen muss mit einem möglichst breit angelegtem Spektrum getroffen werden, damit es profitabel wird. Und da muss man sich nicht wundern, wenn Bohlens Buch “Meine Hammersprüche” bei den Jugendlichen besser ankommt, als “Effi Briest”.

Bohlens Sprache und seine Beleidigungen versteht jeder. Sie sind platt, dumm, unter der Gürtellinie und zeugen nicht gerade von einer hohen Intelligenz (auch die Grammatik wird gern über den Haufen geschmissen), aber so sieht eben diese Gesellschaft, in der wir leben, aus. Und deswegen ist diese Jury in der besagten Sendung nicht mehr als ein unfreiwilliger Spiegel, der allen vorgehalten wird.

Will man das ändern, dann reicht es nicht das dürre Fingerchen in die Menge zu halten und sich das offensichtlichste mediale Beispiel herauszupicken. Das kann jeder Depp.

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