Die Mühlen der Klassik Stiftung Weimar mahlen langsam. Man könnte meinen, das sei überall da so, wo Studierte und Beamten zusammentreffen. Aber das ist ein anderes Thema…
Lange Zeit hatte sich die Stiftung geweigert der Frage nachzugehen, wer da tatsächlich in der Fürstengruft im Sarg liegt. Dass es Schiller sein würde, daran glaubten wohl bis zuletzt nur die, die auch sonst ein sehr sonniges Gemüt haben. Heute wissen wir es dank DNA-Test ganz genau: Nein, Schiller –oder Teile von ihm- liegen nicht in dem Eichensarkophag, der neben Goethes steht.
Die Chronik der Ereignisse ließ dies auch nicht wirklich vermuten:
Am neunten Mai 1805 starb Schiller. Goethe, der mit ihm „ einen Freund und in demselben die Hälfte meines Daseins,“verliert, trifft dieses Ereignis hart. Mit ihm hatte er sich ein Jahrzehnt in nahezu allen literarischen Fragen freundschaftlich ausgetauscht.
Goethe ändert dieses Verhaltensmuster auch anlässlich Schillers Tod nicht: Weder begleitet er den Sarg zum Kassengewölbe des Jakobskirchhofs, noch nimmt er an der kirchlichen Trauerfeier teil. Eine Rechtfertigung für dieses Verhalten, das zu seiner Zeit (und später in einigen zweifelhaften Schriften) sehr zum Argwohn aller Ortens beitrug, findet man in folgenden Worten gebündelt: Die Zeichen des Todes soll man meiden, damit man seiner höchsten Bestimmung nicht untreu wird: Zu leben, um zu wirken.
Nach einem Bericht des bei der Suche anwesenden Weimarer Bürgermeisters Schwabe, durchwühlte man ein „Chaos von Moder und Fäulnis“. Die Särge waren zerborsten und die Leichen in Verwesung übergegangen. Schließlich kann man 23 Schädel bergen. Nach Vermessungen an den Schädeln, die sich an einer Schiller-Büste des Bildhauers Ludwig Klauer orientierten, entscheidet man sich schließlich für einen Schädel.
Am 17. September 1826 versammelte sich eine ausgesuchte Runde in der Großherzoglichen Bibliothek, um die Gebeine Schillers in einem verschließbaren Behältnis unter der Schiller-Büste Danneckers beizusetzen.- Eine Bestattung, die recht unchristlich und fern ab vom Auferstehungsgedanken daher kommt.
1911 schließlich kann August von Froriep aus dem mittlerweile zugeschütteten Kassengewölbe 63 weitere Schädel bergen. Nach eingehenden Untersuchungen wird ein Schädel als der Schillersche identifiziert. Gutachter der Anatomischen Gesellschaft bestätigen diesen Fund.