October 10, 2009

Intellektuelle Insolvenz

Jemand der schon vor längerer Zeit intellektuelle Insolvenz angemeldet hat, bekommt jetzt –so ist das nun einmal im deutschen Fernsehen- eine eigene Fernsehsendung: Oliver Pocher.

An seinem Beispiel kann man zweierlei ablesen. Erstens: Einfachen Erfolg kann man sich erarbeiten und erblödeln, richtigen Erfolg bekommt man aber nur mit der richtigen Mediennutte an seiner Seite. Und wenn die auch noch nach sechs Monaten Bekanntschaft, bereits im fünften Monat schwanger ist, dann ist es kaum noch auszuhalten mit dem Erfolg. Zweitens: Auch kleine, verschüchterte Jungs, die stets der Klassendepp waren, werden zu großen Jungs, die ihre Minderwertigkeitskomplexchen hinter prophylaktischen Brachial-Witzen und neben blonden Schmuckverkäuferinnen verstecken. Motto: Ist die Lebensabschnittsgefährtin so eine gesellschaftliche Witzfigur, dass ich mich locker-launig, pseudo-selbstironisch drüber lustig machen kann, schaut keiner auf mich.

Neben Onkel Harald Schmidt hat der Aushilfspraktikant im letzten Jahr tendenziell eher selten glänzen können. Nun beklagt er sich, dass Schmidt ja immer nur „der Gute“ gewesen sei, während ihm vorgeworfen wurde, die Sendung kaputt gemacht zu haben. Drücken wir es einmal wohlwollend aus: Harald Schmidt hat das getan, was er kann – Pocher kann im Grunde nichts, aber das ganz gut. Zumindest reicht es für die Privaten. Eine Paris Hilton fürs mediale Volk quasi.
 
Als quengelndes, verstoßenes Stiefkind der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten macht er sich dementsprechend genauso schlecht, wie als Moderator beim Privatsender Sat1. Und so leistete ihm in seiner ersten Sendung ein weiteres verstoßenes Einzelschicksal Gesellschaft: Johannes B. Kerner. Über den hat er sich früher auch lustig gemacht, aber hey: Pocher steht so dermaßen über allem, dass man meinen könnte, er hätte tatsächlich in seinem Leben mehr erreicht, außer ner Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen.

Ich habe es damals schon gesagt: Das wird nichts. Der Rest ist Geschichte. Schon das Studio, in dem Pocher jetzt immer freitags durchs Programm führt, verdeutlicht Pochers Dilemma: Alles ne Nummer zu groß und irgendwie auch geschmacklich verirrt. Man weiß nicht, ob man an eine Juppie-Erst-Wohnung oder an einen Nachtclub für Schwule denken soll. Und bei den Einspielern ertappt man sich auch zwangsläufig bei dem Gedanken: Früher war es lustig, jetzt ist es großspurig-abgedroschen. Denn der Pocher, der mit der Doppel-Ex des deutschen Tennis liiert ist und über rote Teppiche flaniert, großkotzige Interviews gibt und statt mit seinem Klein-Jungen-Bengel-Charme nun mit Großgrundbesitzer-Manier in jede sich bietende Kamera faselt, hinterlässt beim Zuschauer einen seltsamen Eindruck.
Ihm wird es wie Niels, Anke und all denen gehen, die irgendwann das dürre Strohhälmchen „Eigene Fernsehshow“ ergriffen haben und von allen Umstehenden bestärkt wurden und am Ende ziemlich kleinlaut von Dannen ziehen mussten. Der Abgesang kann vorbereitet werden…

1 Comment

  1. Lääästerschwester says:

    Naja die Quote spricht ja für sich…ich mein den hat es doch wirklich hart getroffen der muss mit Vati zur Arbeit, hat Schweinegrippe und zu Hause muss er den designten Schmuck von der Freundin probe tragen.

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