Karneval für Anfänger

February 16th, 2010 § 0 comments

Es kommt weder lustig noch extravagant mitten in einer Warteschlange laut „Helau“ zu rufen, wenn man sich in Köln befindet. Auch ist es nicht zu verzeihen, statt Karneval „Fasching“ zu sagen. Und wer die falschen Karnevalslieder singt fliegt eh raus. Alles in allem ist Karneval also eine komplizierte und nur temporär spaßige Angelegenheit. Das ist harte Arbeit.
Alles fängt mit einem pointierten Kostüm an. Hier gilt: Minimaler Aufwand, maximaler Effekt. Manchmal reicht schon die neuste Ausgabe der Süddeutschen unterm Arm, ein abgeschabtes Jackett, eine Nickelbrille, ein Karohemd, eine Cord-Hose und ein möglichst gelangweilter Blick, um als Intellektueller oder als frustrierter FAZ-Redakteur durch zu gehen. Denn gerade Männer haben ja oft Probleme, das richtige Kostüm zu finden. In diesem Zusammenhang muss man auch ganz entschieden erwähnen, dass Verkleidungen als Stangen-Gemüse – wie es seit ein, zwei Jahren durchaus Mode zu sein scheint – nicht nur unbequem sondern auch sehr unpraktisch sind. Einmal in den widerstandsfähigen, Luft undurchlässigen Ganzkörper-Schaumstoff gezwängt, gibt es kein Entrinnen mehr. Hoffnungslose Optimisten sind jene, die meinen ein normaler Toilettengang wäre an diesem Tag noch ohne weiteres möglich…
Außerdem sollte man an einem Karnevalstag auf gar keinen Fall weitere Termine wahrnehmen. Insbesondere keine wichtigen, die einen vor Nervosität die Nacht vorher nicht schlafen lassen. Völlig übernächtigt könnte es einem nämlich leicht passieren, dass man zielsicher morgens an einem gesellschaftsfähigen Outfit vorbei, zum Karnevals-Kostüm greift und diesen Irrtum erst abgehetzt im Auto bemerkt. Selbst wenn man den Kleider-Wechsel dann noch schafft, ist das Nervenkostüm den Rest des Tages dünn wie Seidenpapier. Im Gehirn herrscht urplötzlich gähnende Leere und auf dem großen freien Platz scheint sich der kleine Bruder der Migräne, der Kopfschmerz, breit zu machen. Der Rest des Tages ist dann kaum noch zu ertragen.
Ein anderer wichtiger Punkt sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Unbedingt sollte man sich nach dem letzten Zug, der gen Heimat fährt rechtzeitig schon vor der Abfahrt erkundigen (z.B.: Köln-Dortmund 22.21 Uhr, Gleis 12), sonst muss man womöglich bis sechs Uhr morgens auf dem kalten Bahnhof warten, und diese Zeit kann extrem lang werden, wenn bereits gereizte Stimmung in der Reisegruppe herrscht.
Beachtet man dieses kleine Einmaleins des närrischen Frohsinns, steht einem einwandfreien und fröhlichen Rosenmontag nichts mehr im Wege.

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