Kinder, Kinder!

April 19th, 2008 § 2 comments

Jeder sechste Deutsche kann Kinder nicht ausstehen. Ich muss zugeben, dass ich gelegentlich auch zu dieser Gruppe gehöre. Das ist keine Schande, denn schließlich sind es ja besondere Exemplare von  Kindern, die einen dazu bringen. Hass gegenüber Kindern ist schließlich nicht angeboren.

In der eigenen Familie haben wir auch ein sogenanntes AK (Arschlochkind). Allerdings muss man bei diesen Kindern unterscheiden. Da sind die, die von Natur aus einen fiesen und nervenden Charakter haben und mit Gabeln Tiere und die eigene Mutter malträtieren. Und dann sind da die, die einem eigentlich leid tun können, weil die eigenen Eltern praktisch alles dafür tun, damit ihr Sprössling zum unbeliebtesten kleinen Menschen auf Erden wird.

Diese Eltern gründen ihre Erziehung auf drei Hauptsäulen: Antiautorität, extremes Selbstbewusstsein und ungesunder Egoismus. Heraus kommt dabei ein vorlautes, altkluges, latent aggressives Kind, das keinen Respekt vor Erwachsenen oder anderen Kindern hat und später im Erwachsenenalter aufgrund verheerender Probleme in diversen Bereichen nachts bei Domian anrufen muss.

Dabei kann man aus jedem Kind, egal wie schlecht es erzogen wurde, ein Goldstück machen. Als ehrenamtliche Bildungspatin für lernschwache Kinder, meist mit Migrationshintergrund, habe ich die Erfahrung gemacht, dass häufig durch verblüffend einfache Kniffe schon optimale Ergebnisse erzielt werden können.

In meiner ersten Stunde an einer Hauptschule wurde wild durcheinander geredet und geschlagen. Ein Schüler hing halb aus dem Fenster und beschimpfte andere Jugendliche draußen auf türkisch, ein anderer malte mit einem Edding einen Mittelfinger auf die Wand und wieder ein anderer hatte einen kleinen Russen im Schwitzkasten und sprach dabei scheinbar alle Schimpfwörter, die er bislang kennen gelernt hatte. - Schwierige Ausgangsposition. Ich merkte leicht panisch, dass ich mit meinem vorbereiteten Memory und der Geschichte von Rotkäppchen bei diesen Fünftklässlern offensichtlich keine Chance hatte.

Also zog ich meinen ersten Joker in Form von Süßigkeiten. Die wiedergewonnene Aufmerksamkeit nutzte ich für folgende Durchsage: “Für die Zeit, die wir jeden Montag hier zusammen sind, gilt nun folgende Regel” (höhnisches Grinsen allseits) “es werden grundsätzlich nur die Schimpfwörter benutzt, die ihr auch schreiben und richtig aussprechen könnt.” Ich blickte in fassungslose Gesichter.

„Tatjana is Schlampe: S-H-L-A-M-M-P-E.”

“Nein, falsch Deniz. Schlampe ist gestrichen für dich. Weiß jemand, wie das Wort geschrieben wird?” Und plötzlich hatte ich viele fleißige Kinder, die ruhig und aufmerksam an ihren Tischen saßen und sich am Ende sogar noch das Märchen von Rotkäppchen lammfromm anhörten.

Zufrieden klopfte ich mir im Geiste am Ende dieser Doppelstunde auf die Schulter und dachte: Laura, du bist Deutschland!

§ 2 Responses to Kinder, Kinder!"

  • Rick says:

    “Ehrlich, ich mag Kinder, könnte aber nie ein Ganzes essen.”
    oder
    “Leute die keine Hunde oder Kinder mögen müssen nicht automatisch auch schlechte Menschen sein.” (Descartes, wenn ich mich recht entsinne)

  • Bjoern says:

    “Anyone who hates children and animals can’t be all bad”
    W.C. Fields

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