Es gibt viele Gründe, sich ein Buch nicht zu kaufen. Bei Hera Lind und Martin Walser würden mir zum Beispiel spontan einige dutzend einfallen. Doch neulich ertappte ich mich in der Buchhandlung dabei, wie ich ein Buch von Richard David Precht geradezu angewidert ins Regal zurück stellte. Und warum? Weil der Autor auf dem Klappentextfoto gut aussehend war.
Ich habe grundsätzlich nichts gegen gut aussehende Menschen. Ganz im Gegenteil. So lange sie Model, Schauspieler oder Mitglied bei den California Dream Boys sind. Aber ein gut aussehender Autor und dazu noch Philosoph? Schönheit ist beim Nachdenken doch nun echt zu nichts nutze. Das lenkt ab. Das war schon in der Uni so. Ein schöner Mann als Dozent lädt zu unreifen Tagträumen ein, statt sich über Lessings Laokoon hochtrabende Gedanken zu machen.
Literaten sind oft ungepflegt, tragen Sakkos, die an einigen Stellen beinah durch gescheuert sind oder Hemden, die nur drei Knöpfe haben und anhand deren man mühelos nachvollziehen kann, was es die Woche über zu Mittag gegeben hat (die Reste des aktuellen Mittagessens findet man hingegen noch ganz frisch im struppigen Schnäuzer). Sie tragen Brillen auf denen Abdrücke von Fettfingern zu sehen sind und sie haben Schuppen, die sich besonders gut auf dunklen Rollkragen-Pullis bemerkbar machen. Ihre Zähne sind gelb von Zigaretten und Kaffee (dem typischen Intellektuellen-Frühstück) und ihnen wachsen Haare aus Ohren und Nase. Aber das ist egal. Man erwartet nichts anderes und traut ihnen umso mehr zu, weil sie sich nicht von solch profanen Dingen des Lebens, wie Gesichtspeeling und Maniküre, ablenken lassen.
Literatur und Philosophie sind nicht sexy. Oder hat Platon die Zeiten mit seinem Höhlengleichnis überdauert, weil er so ein knackiger Kerl war? Liest man heute noch Goethes „Iphigenie“, weil der Wolfgang so einen legendären Waschbrettbauch hatte? Na also! – „Soll der Precht doch mit seinen halblangen, melancholisch durch die Gegend wehenden Haaren Marmelade oder Parfüm verkaufen. Ich lasse mich nicht von so einem treuen Rehblick einlullen. Da kann ja nichts bei rum kommen, wenn so einer Philosophie für’ s Volk machen will“, plüsterte ich mich innerlich vor dem Buchregal auf und komme mir im Nachhinein ziemlich behämmert vor. 14,95 Euro landeten am Ende doch noch auf der Ladentheke und seither schmökere ich in Prechts: „Wer bin ich? Und wenn ja wie viele“ . Und damit wäre in erster Linie nicht etwa bewiesen, dass Philosophie sexy sein kann, sondern viel mehr, dass ich nicht konsequent bei meinen Vorurteilen bleiben kann –was aber auch gar nicht so schlecht ist. Also: Ende gut, alles gut.