Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle über die neue Werbestrategie von Bestattungsunternehmen berichtet. Diese laden potentielle Kunden bei einem Gläschen Sekt zum Probeliegen und zu einer Beratung ein. Da ich sehr empfänglich für Werbebotschaften bin, überlege ich ernsthaft, ob ich mit dem Totengräber meines Vertrauens schon einmal was aushandeln sollte. Schon allein, damit meine Angehörigen nicht gnadenlos bei solchen Fragen wie: Eiche oder Buche, bügelfreies Totenhemd oder nicht, und so weiter über den Tisch gezogen werden.
Das hört sich jetzt alles sehr locker, sehr abgeklärt und pragmatisch an. Man könnte beinah meinen, dass ich das alles mit einem süffisanten Lächeln herunter tippe. Doch weit gefehlt! Tatsächlich bin ich ein echt jämmerlicher Hasenfuß bei diesem Thema. Irgendwie kann ich bei dieser Angelegenheit nicht recht locker werden. Da fehlt mir anscheinend das Ich-bin-morbide-und –find´s-witzig-Gen. Wenn ich allmorgendlich die Traueranzeigen in der Tageszeitung lese, fange ich manchmal sogar an zu weinen. Und neulich konnte ich nachts nicht schlafen und schlurfte in die Küche. Da sehe ich, wie aus dem Nebenhaus ein Sarg getragen wird. Da konnte ich dann gar nicht mehr schlafen und habe stattdessen meine ca. 2000 Bücher handschriftlich in einem ausgeklügelten Kartei-System erfasst.
In der nächsten Nacht konnte ich dann wieder nicht schlafen und habe mir Émile Zolas „Wie man stirbt“ durchgelesen. Dann habe ich in einem Buch gelesen, dass man nur deshalb so Probleme mit dem Tod hat, weil dieses Thema in unseren Breitengraden tabuisiert wird. Da, wo alles auf jung und dynamisch geeicht ist, hat man für den Tod nicht viel übrig. Andere Kulturkreise hingegen, wie die Aborigines, setzen ihre Toten monatelang in ihre Hütten. Sie sprechen mit demjenigen, fassen ihn an und veranstalten Feste zu Ehren desjenigen. –Kann ich mir persönlich jetzt weniger vorstellen. Aber wer ´s mag…
Und als ich so weiter blätterte und mir immer schlechter zu Mute wurde und mir meine dunklen Gedanken passend zur Jahreszeit machte, fiel mir ein Gedicht von Mascha Kaléko ein, in dem es heißt: „Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.[…]Den eigenen Tod, den stirbt man nur. Doch mit dem Tod der andern muss man leben.“ Und das ist vermutlich das ganze Problem. Selber sterben und selber Probeliegen wären gar nicht so schlimm. Der Gedanke jedoch, dass jemand sterben könnte, den man liebt reicht schon aus, um eine mittelschwere Herbst-Depression auszulösen und ein Jammerlappen zu werden, der bei jedem Mist anfängt zu weinen. Also halte ich es seit ein paar Wochen, wie Goethe: „In jeder Trennung liegt ein Keim von Wahnsinn. Man mag sich davor hüten ihn nachdenklich auszubrüten und zu pflegen.“ –Morgen geh´ ich zum Probeliegen.
bevor Du probe liegst, geh lieber mal da vorbei…
http://bestatterweblog.de/
In dem Moment in dem man erstmals einen Toten selber angesichtig wurde, kann man eine sehr pragmatische Einstellung zum eigenen Dahinscheiden entwickeln. Versprochen.
Ich halte persönlich nicht sooo viel vom frühzeitig regeln beim Bestatter. Lege lieber ein Konto an und packe da eine Summe x drauf, die sich ggfs. mit Glück und langem Leben gut verzinst. Das dieses Konto für die eigene Bestattung gedacht ist, lässt sich schriftlich bestimmen. Kaufe Dir lieber dann so ein Testament und Letzter Wille-Set in dem Du genau formulierst, wie Du Dir Deine Bestattung wünschst. Sprich: welche Musik, wer vielleicht sprechen soll, wen Du gerne in Deiner letzten Rede erwähnt haben möchtest, eine eigene letzte Rede von Dir, Deine eigenen Idee zu Blumenschmuck, Ablauf und Sektmarke, die an Deinem Grab getrunken werden soll. Das gibt Deinen Hinterbliebenen dann viel in die Hand, was ihnen die ganze Organisation einfacher macht.
Hat auch den großen Vorteil: falls Du in Deinem Leben von Feuer- auf Erd- und wieder zur Feuerbestattung schwankst, dann kannst Du das problemlos selber ändern.
Zur Zeit wird in Deutschland an einer Reform des Bestattungsgesetzes gearbeitet, dafür wird noch viel Zeit ins Land gehen. Aber unter Umständen tun sich bis Du soweit bist noch viele, viele neue Bestattungsmöglichkeiten auf – auch hier in Deutschland.