Mut hat es heute schwer

September 24th, 2008 § 0 comments

Seit die Generation Depression Einzug hält, wissen wir:  Schwermut geht immer und ist irgendwie auch ein bisschen schick geworden. Anmut, so sagte meine Sportlehrerin damals, ist das höchste Gut der Frau. Bedenklich, aber nun gut. Jede zweitklassige Modezeitschrift pflichtet ihr da wohl bei.

Was dagegen immer weiter auf ein Abstellgleis gelangt ist Mut –ohne A – und Suffix- .  Wer mutig und loyal ist, hat es nur hinter vorgehaltener Hand leicht und erntet vielleicht auch ein wenig Bewunderung. Mutige Menschen vermutet man meist nicht in dem Berufsbild der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Denn da muss man immer brav das sagen, was der Sache dienlich ist –ganz gleich, ob wahr oder nicht. Man muss hübsche, unverfängliche Worte finden, um manchmal riesen Sauereien in kleine Ferkeleien zu verwandeln. Und immer schön Lächeln dabei und die Pressemappen nicht vergessen!

Meine morgendliche Zeitungslektüre schaffte es heute, mich zu amüsieren und gleichermaßen zu erfreuen. Da ging es um die Essener Philharmonie und den gefeuerten Intendanten Michael Kaufmann, dem man Misswirtschaft vorwirft. Ich muss gestehen, dass ich mich weder mit der Philharmonie Essen, noch mit Herrn Kaufmann je beschäftigt habe. Diese Philharmonie-Wut in Nordrheinwestfalen geht mir ohnehin gegen den Strich. Bald wird wohl jeder Vorort, oder jeder Straßenzug mit mehr als zehn Häusern seine eigene Philharmonie bekommen. Aber das ist ein anderes Thema, von dem ich vermutlich auch keine Ahnung habe.

Was viel mehr meine ganze Aufmerksamkeit in Beschlag nahm, war das Verhalten der Sprecherin der Philharmonie. Bevor irgendjemand irgendwen fristlos und vor aller Öffentlichkeit feuern konnte, griff sie in einem Schreiben an die Zeitungsredaktionen dem Rausschmiss des Intendanten vor und ergriff Partei für ihn. Sie erklärte die Zukunft der Philharmonie für „gefährdet und völlig offen.“ Ebenso verwies sie auf eine  „öffentliche Kampagne“, die man gegen den Intendanten inszeniert und die scheinbaren Beweise, die man sich zu Recht gelegt hatte. – Überflüssig zu erwähnen, dass Anke Meis daraufhin von der Theater und Philharmonie GmbH beurlaubt wurde.

Wie gesagt, ich habe keinerlei Ahnung, was in der Philharmonie für Grabenkämpfe ausgefochten werden und was nun stimmt oder eben nicht. Im Grunde interessiert mich das auch nicht. Dennoch zeigt dieses Beispiel eines.  Anscheinend gibt es sie noch: Menschen, die aus Idealismus, Loyalität oder einem gesunden Unrechtsempfinden heraus mutig sind. Frau Meis wird wohl gewusst haben, welch hohe Wellen dieses Schreiben schlagen wird und sie wird auch gewusst haben, dass der Aufsichtsrat darüber „not amused“ sein wird. Trotzdem hat sie sich dazu entschlossen und den imaginären Stinkefinger ausgepackt (die dummen Gesichter der Silber-Pudel-Aufsichtsrat-Fraktion hätte ich gern dazu gesehen). Chapeau!

 

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