May 6, 2008

NEID

Im Moment kann ich “Rebellen ohne Markt” schwer ertragen. Da wird mir als Frau immer nur wieder vor Augen geführt, dass ich eine Versagerin bin. Bezüglich der sekundären Geschlechtsmerkmale (die ich – bar jeden biologischen Wissens – so definiere: Kochen, Säubern und Drappieren), versage ich auf ganzer Linie.

An manchen Tagen frage ich mich sogar prüfend, ob ich denn überhaupt noch zur Frau tauge. Und all diese nagenden Zweifel einzig wegen ein paar Bildern und einem Text, der genau das Gegenteil von dem vermittelt, das man da sieht: Alles leichtfüßig, mal eben aus dem Nichts gezaubert, der Rede im Grunde gar nicht wert, gibt’s hier jeden Tag…

Die Käse-Tomate-Bärlauch-Brötchen trieben mir die Zornesröte ins Gesicht. Bei mir reicht’s technisch nur für den guten alten Käseigel oder ein paar Schnittchen mit Gewürzgurken. Früher habe ich mal in Radieschen das Relief von Rosen geschnitzt. Aber das ist lange her. Der Versuch Bärlauch in meinem Balkonkasten zu züchten scheiterte zuletzt kläglich.

Backen kann ich auch nicht. Von meinen selbstkreierten Goethe-Plätzchen ist der einen Hälfte schlecht geworden und der Rest starb an einer Staublunge. Wenn ich Kuchen zu Geburtstagen mitbringe, lasse ich heimlich meine Schwester welchen backen und behaupte, ich hätte Stunden in der Küche zugebracht.

Warmes Essen nehme ich vorzugsweise nur außerhalb meiner vier Wände ein. Die Überlegung meinen Herd durch ein Schuhregal zu ersetzen oder unter zu vermieten nimmt immer konkretere Formen an…

Putzen kann ich zwar ganz gut, allerdings mache ich um das Silber immer einen verdammt großen Bogen. Wenn jemand fragt, warum die Leuchter braun glänzen, behaupte ich: Das muss so sein. Das ist nämlich Provence-Landhausstil.

Prinzipiell hat mir diese Art von hausfräulichem Autismus nie etwas ausgemacht. Bis ich all diese drappierten Köstlichkeiten bei Rebellen ohne Markt gesehen habe. Seither verspüre ich beim bloßen Gedanken an diese Bilder Neid, Scham und vor allem: HUNGER!

[Abwesenheitsnotiz] Aus diesem Grund bin ich die nächsten 14 Tage in einem Bootcamp. Nicht für Freizeit-Terroristen, sondern für untalentierte Menschen, die nicht Kochen können. – Das ist so demütigend! Ich hoffe danach ein besserer Mensch zu sein …

5 Comments

  1. Lääästerschwester says:

    Ach hör doch auf Du lässt Dir die Sonne auf den Pelz scheinen
    und gehst jeden Tag ESSEN! Frechheit!

  2. bellablog says:

    “… kann ich „Rebellen ohne Markt“ schwer ertragen.”
    geht mir auch so. das pornoessen trägt jedoch keine schuld.

  3. Ugugu says:

    ach komm jetzt, freu dich doch ab dem was du hast und kannst, ich hab nicht mal einen kronleuchter, furchtbar nicht?

  4. creezy says:

    Nun, ‘nen Käseigel muss man auch erst mal können.

  5. Laura says:

    ja, aber da muss man ja quasi nur käse schnitzen, aufpieken und auf die plastikvorrichtung setzen…irgendwas kann jeder…

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