May 1, 2008

Nein, wir sind keine besten Freunde mehr!

„Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.“ Arthur Schnitzler gehört nun nicht gerade zu meinen Lieblingsautoren, aber mit dieser Bemerkung hat er bei mir wieder Boden gut gemacht.

Das Thema Freundschaften beschäftigt mich ständig. Habe ich Freunde? Bin ich ein guter Freund?  Was, wenn mir eine Freundschaft nicht mehr passt, wie ein zu kleiner Schuh? Der drückt, macht Blasen, offene Wunden und ärgert einen am Abend mit der Frage: Warum habe ich dich nicht schon längst aussortiert? Und am nächsten Tag schlüpft man doch wieder hinein, weil man nicht ohne Schuhe dastehen will.

Wenn man sich über einen Menschen mehr ärgert, als freut, sollte man anfangen sich innerlich von diesem zu verabschieden. Wenn jemand wie ein Vampir dir alle Energie raubt und dich ständig als THW für seine eigene Seele, Psyche und sein Leben in Anspruch nimmt, sollte man das einzig vernünftige tun: An sich denken und dabei nicht meinen, man sei ein schlechter und egoistischer Mensch. Der Frühling ist dafür die beste Zeit: Frühjahrsputz in allen Ecken des Lebens!

Aber wie wird man alte Gewohnheiten los? Kontaktsperre ist eine Möglichkeit, hilft aber nicht bei jedem. Keine Zeit mehr für Verabredungen zu haben, bedeutet für den anderen auch nicht unbedingt eindeutig eine Beendigung des Freundschaftsverhältnisses. Ein klärendes Gespräch ist nutzlos und bewirkt manchmal das Gegenteil: Eine riesen Szene, Tränen, Schuldgefühle und eine Scheinversöhnung, bei der man selber den Kloß im Hals weiter mit sich herum schleppt und der andere meint, es sei wieder alles tutti.

Statt einer Aussprache sollte man seine Worte klar und ohne Rücksicht in knapper und präziser Weise wählen. Am besten situationsabhängig und mit dem Vorsatz: Es gibt kein Zurück! Den Satz: „Du bist ja meine beste Freundin“, sollte man nach Möglichkeit sofort korrigieren: „Nein, bin ich nicht. Frag mal A und B Hörnchen, ob die deine Freunde sein wollen und sich deine Geschichten á la Me-Myself-and I noch anhören können!!!!!“- Selbstredend wird man das nicht sagen, obwohl es vermutlich am effektivsten sein würde.

Eine symbolische Geste sagt in diesem vertrackten Falle jedoch manchmal mehr, als man sich zu sagen trauen würde. Eine Rückforderung eines Wohnungsschlüssels zum Beispiel ohne Angabe von Gründen, ohne Rechtfertigungen. Wer das nicht versteht, ist entweder dumm oder ignorant aus einer unendlichen Ich-Bezogenheit heraus. In beiden Fällen kann man getrost nach A und B Hörnchen fragen, denn so jemandem ist beim besten Willen nicht mehr zu helfen…

 

1 Comment

  1. Lääästerschwester says:

    … manche Menschen merken nix mehr!Ne es muss heißen VIELE Menschen merken nix mehr!

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