Alle reden von der großen Finanzkrise. Alle jammern und malen den Teufel an die Wand. Politiker, Wirtschaftsweise, Journalisten, Bank-Menschen, etc. verkleiden sich dieser Tage als Trümmerfrauen und Klageweiber. Und wenn es am Ende dann so ausgeht, dass die großen Unternehmen die Hälfte ihrer Mitarbeiter entlassen und das mit der Krise rechtfertigen, nicken alle verständnisvoll und sind froh, dass es nicht schlimmer gekommen ist.
Aber mal ehrlich: Heißt es nicht ständig, um die Langeweile fern zu halten: Unsere regelmäßige Krise gib ´uns heute und vergib´ uns unsere Einfallslosigkeit? RTL hat bei jeder Krise einen schönen großen Banner rechts oben am Bildschirm, in den die Worte „Terror in…“ oder „ … – Krise“ eingefügt sind. Und bei Bedarf kann alles eingesetzt werden.
Seit Jahren werden wir mit Lebensmittelkrisen behelligt und sollen temporär dies und das nicht essen. Alles war schon mal in der Krise und ich warte nur noch darauf, dass es zu Ostern heißt: Schoko-Hasen-Krise, wie sicher sind wir vor krebserregender Schokolade, die mit Pestiziden und Seuchen, Viren jeder Art versetzt ist? RTL wird mit Sicherheit auch hierzu das passende Banner und Peter Klöppel den Betroffenheits-Blick haben.
Dann gab´s die Öl-Krise, Nahost-Krise, Kongo-Krise, Fernseh-Krise und so weiter. Das hält uns alle schön beschäftigt. Und falls wir einmal zu beschäftigt mit einer Krise sind, wie zum Beispiel mit dem Klimawandel, dann kommt eine neue, noch schlimmere Krise. Bis die nächste Krise vor der Tür steht, sind jedoch alle damit beschäftigt ihr Geld in Sparsocken oder unter die Matratze zu legen, in den leeren Fußgängerzonen zu betteln und die Situation noch schlimmer zu machen, als sie tatsächlich ist.
Was könnte uns schlimmsten Falls schon passieren? Im Zweifel heißt es dann eben für jeden: Zurück zur Scholle. Meine Ur-Oma Auguste aus Masuren hatte in solchen Situationen immer einen Spruch, mit dem sie gut durchs Leben und durch zwei Weltkriege gekommen ist: Nerven behalten!