Olga und StudiVZ

July 3rd, 2008 § 2 comments

Die Langeweile kann zuweilen seltsame Auswüchse haben. Als ich noch bei StudiVZ angemeldet war überlegte ich an einem regnerischen und trostlosen Nachmittag, wie ich ein wenig Pep in die „Community“ reinbringen könnte.

Also erschuf ich Olga. Olga war ein hübsches Mädchen mit eindeutigen, aber dezenten Attributen, wie man auf dem Bild leicht erkennen konnte. Dazu, woher ich das Bild hatte sage ich jetzt lieber nichts.

Olga studierte Slawistik und Sport in Bochum. Sie war auf der Suche nach „netten Leuten“ und „was sich so ergibt“. Beziehungsstatus: solo. Selbstredend fand man unter der Rubrik „Gruppen“ bei Olga die üblichen Verdächtigen – sozusagen die Evergreens der Unterschichten-StudiVZs: „Wer ficken will muss nett sein“, „Sex ist nur schmutzig, wenn man ihn richtig macht“ oder „Blond und sexy“. Sie war aber auch Mitglied der Gruppen, die es seit einem Fernsehbericht über Prostitution bei StudiVZ nicht mehr gibt. Mit anderen Worten: Olga war ein Luder.

Natürlich gab es für dieses Profil eine Menge Abnehmer und Interessenten. Olga hatte nach nur einem Tag neun Freunde, 15 aufdringliche Nachrichten und acht schlüpfrige Pinnwandeinträge. Das Gegruschel nahm kein Ende und ehrlich gesagt wurde mir das nach einer Woche ein bisschen viel mit der Fan-Post. Notgedrungen weihte ich ein paar Freundinnen in mein Projekt ein. So konnte jede ein Mal in der Woche Olga sein und ich hatte sechs Tage die Woche Ruhe.

Olga wurde mehr und mehr zu einem Recherche-Instrument. Denn mit ihrer Hilfe konnte man prima das Niveau von Freunden testen und überprüfen, ob der eigene Freund auf billige Russinnen steht. Einer tat es. Der Quoten-Doofe sozusagen.

Wie das aber oft mit versteckten Ermittlerinnen so ist, wurde eine Freundin irgendwann extrem übermütig und somit unglaubwürdig. Olga flog auf und eine Menge wütender kleiner Jungs – jäh aus ihren feuchten Träumen gerissen – machten sich auf der Pinnwand Luft.

Ich meldete Olga ab, sicherlich unter anderem auch aus der Befürchtung, die echte Olga könnte sich irgendwann auf dem Bild wieder erkennen.

Nach dieser Episode wurde mir jedoch klar, dass meine Mutter mit ihren einst weisen Worten recht hatte: „StudiVZ? Da sind doch nur Nutten, Asoziale und Psychopathen! Meld´ dich da ab, Kind!“

Das beweist wieder eins: Mütter haben ein untrügliches Gefühl für Wahrheit.

§ 2 Responses to Olga und StudiVZ"

  • LÄÄÄsterschwester says:

    Ich fand Olga super!Schaaaaade…
    Vielleicht jetzt mal einen OLEK?

  • Laura says:

    olek wäre schwierig…obwohl studivz bestimmt auch potential zum florierenden drogenhandel á la hasenheide hätte…mmmmhhhhhhhhh

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