Ich musste gestern in eine norddeutsche Kleinstadt zum Gesundheitscheck. Allein bei dem Wort „Gesundheitscheck“ fühle ich mich unbehaglich und horche Tage vorher bereits in mich rein. Es ziept, es drückt, es brummelt…ich kann auf gar keinen Fall gesund sein. Ich bin ein Wrack. Mit 29.
Dieses Mal sollte mir das nicht passieren. Ich achtete auf eine gesunde Ernährung, damit die Urinprobe nicht zur unangenehmen Riechprobe würde. Also teilte ich mir mit den Wintervögeln, die ich vor meinem Fenster mit Nahrung versorge, quasi die Essensration: Zwei Tage lang gab’s nur Körner, Gemüse und Kräutertees. Und dennoch: Das schlechte Gefühl blieb. Ärzte haben das seltene Talent mir jegliche Souveränität zu nehmen. Ich fühle mich durchschaut, ausgeliefert und bis ins Letzte analysiert. Zu meinen Ungunsten natürlich.
Es lief dann auch echt mäßig. Ich kam eine halbe Stunde zu spät zum Amtsarzt, nachdem ich in dieser hässlichen, verbauten, lieblosen Stadt (wäre diese Stadt eine Frau, wäre sie Courtney Love) das verdammte Gesundheitsamt nicht finden konnte. Und alle Deppen, die ich fragte, wussten es auch nicht recht. Furchtbare Städte, furchtbare Menschen. Nach einem nervenaufreibenden Parkplatzkrieg bei Glatteis, lief ich ins Amt, völlig verschwitzt, nervös, desaströs….am Ende. Die Assistentin war „not amused“. Deswegen überprüfte sie gleich einmal den Puls, der bei weit über 90 lag. „Viel zu hoch“, sagte sie spitzmündig. „Ach was“, japste ich.
Dann ging es weiter im Programm: Blutdruck messen, blank ziehen für die Lungen-Röntgenaufnahme, sich vermessen und wiegen lassen und dann, als vorläufiger Höhepunkt, die Urinprobe. Dummerweise hatte ich noch beim Eintritt ins Gebäude das Örtchen aufgesucht, um auf der Waage das ein oder andere Gramm einzusparen. Während man dann also so auf dem Gesundheitsamt einer piefigen Kleinststadt rumhängt und sich mühevoll versucht zwei, drei Tropfen aus der Blase abzuringen, überlegt man, was da wohl noch alles auf einen zukommen wird. Schließlich hatte man mir den Auftritt des Amtsarztes groß angekündigt.
Ich hatte immer noch tellergroße Schweißflecken unter den Armen, mein Puls war mit Sicherheit immer noch bei 90. Ich horchte wieder in mich rein und musste plötzlich an Ottos Sketch denken: Kleinhirn an Großhirn. Da betrat er auch schon den Raum: der groß angekündigte Amtsarzt, dunkelhaarig, groß…und Gott sei’s gedankt: Überhaupt nicht mein Typ.
Ich benahm mich die folgenden 20 Minuten dennoch wie ein absoluter Seppel. Falls ich körperlich gesund sein sollte, so würde er mit Sicherheit vermerken, dass ich geistig nicht ganz klar bin. Oder aber zumindest einen zweifelhaften, infantilen Witzgeschmack habe. Der Aufforderung mich „oben rum frei zu machen“, kam ich mit den Worten nach: „Na dann werde ich meine Bikini-Figur mal freilegen“ (Im Kopf lief folgender Soundtrack, als ich mich auszog“ You can leave your hat on“). Der Blick des Arztes, als über der Jeans eine Speckrolle unmotiviert zum Vorschein kam und beim Hinlegen auf der Untersuchungsliege nachwippte, war unbezahlbar.
Dann wieder eine Schrecksekunde: Er tastete meine Leber ab. Hatte sich meine Leber von den Strapazen des Silvesterabends schon wieder erholt? „Kleinhirn an Leber: Wachse mit deinen Aufgaben“, kommentierte ich laut und dachte: „Großhirn an Laura: Schnauze halten!“ Der Arzt lachte milde, betastete dann noch die Milz, meine Wirbelsäule, beglückwünschte mich zu meiner einwandfreien Lunge und Urin. „Ein edles Tröpfchen“, ereiferten sich meine Sprach-Synapsen zur nächsten verbalen Peinlichkeit. Da tat mir der Arzt ein bisschen leid, denn er lachte über den Fips Asmussen-Gedächtnis-Geck. Da sieht man mal wieder, dass solche Menschen allgemein wenig zu lachen haben…Ein Herz für Ärzte!