July 11, 2008

Pendeln macht glücklich…und reich…und schön…und überhaupt

Ein pendelnder Arbeitnehmer wird jeden Tag von Fortuna höchst persönlich geküsst. Er darf Kilometer weit im Stau stehen und zu seiner meist weit entfernten Arbeitsstelle viel Sprit verbrauchen, den er ein Mal im Jahr in Bruchteilen zurück erstattet bekommt. Sein Auto hat einen hohen Verschleiß und muss öfter in die Inspektion, die der Pendler selber zahlen darf. Um das Glück perfekt zu machen hat der Pendler meist auch viel weniger Freizeit, als der Nicht-Pendler. Herrlich!

Zudem ist der Pendler ohnehin meist ein Besserverdiener und lebt außerhalb der Stadt in seiner großen Villa im Grünen. Deswegen sei es sozial gesehen völlig ungerecht dem Pendler eine erhöhte Pendlerpauschale zu gewähren, findet Herr Professor Fuest von der Universität Trallala. Die Menschen in den Städten, die eine hohe Miete zahlen müssten würden schließlich auch nicht finanziell entlastet.

Herr Fuest beschäftigt sich täglich wissenschaftlich mit solchen Dingen. Das merkt man. Denn Wissenschaft hat meist sehr wenig mit Alltag zu tun. Herr Fuest wird in den anstehenden Semesterferien wahrscheinlich nur sehr selten dazu kommen in der Uni zu erscheinen. Ich schätze viel mehr als zu den Sprechstundenzeiten, die sporadisch anfallen, wird der Professor mit Durchblick nicht physisch anwesend sein. Er, als Beamter und Lehrender, kann auf seinen gesicherten und standortgebundenen Arbeitsplatz mit Sicherheit zählen, wenn er will. Das ist überaus erfreulich für Herrn Fuest.

Was der gute Mann allerdings vergisst ist, dass beispielsweise eine vierköpfige Familie im Ballungsraum (sagen wir München) wohl kaum ohne großzügige Schmiergelder und Kontakte zu einer geeigneten und den geldlichen Rahmen nicht sprengenden Wohnung kommen würde. Außerdem, lieber Herr Professor, leben wir nicht mehr vor den 80ern. Der Weg zur Schüppe ist nicht mehr durch einen fünf minütigen Fußweg zu meistern.

Menschen sind häufig aus den vielfältigsten Gründen gezwungen freiwillig und unfreiwillig ihren Job zu wechseln. Jedes Mal umzuziehen ist ein teures Vergnügen, das zudem ziemlich schnell zu sozialer Isolation führt. Außerdem sollte es jedem Menschen gestattet sein irgendwann das Leben eines Nomaden aufzugeben.

Und wenn man jetzt anfängt pendelnde Arbeitnehmer als egoistische Schmarotzer mit dickem Geldbeutel zu karikieren, könnte man genauso gut Universitätsprofessoren als besserwissende Nichtswisser (-blicker) bezeichnen (oder wie mein Opa seiner Zeit immer so schön sagte: „Schlauer als zehn Dumme“). Und das will doch keiner!

4 Comments

  1. LÄÄÄsterschwester says:

    Also ich bin das BESTE Beispiel…jeden Tag 240 km mir lacht die Sonne aus dem Arsch!
    Ohne Ende Knete und ein Finanzamt das jedes mal HÖCHST erfreut ist wenn ich meinen
    Lohnsteuerjahresausgleich einreiche…”wer is denn so blöd und fährt jeden Tag so weit zur
    Arbeit?”Vielen Dank!Wir Pendler haben es schon wirklich gut…

  2. Laura says:

    ach verkauf die hütte, dein auto und den rest. besitz belastet! kauf dir lediglich mit ernd ein schönes zelt oder einen wohnwagen und schlagt euer lager auf der wiese vorm firmenbesitz auf…back to the roots….herrlich!!und nur zwei gehminuten bis zur arbeit…..

  3. LÄÄÄsterschwester says:

    Ja man merkt wir sind Geschwister…Du willst nur das Beste für mich!Mir kommen die Tränen!

  4. Laura says:

    küsschen aufs nüsschen!!!

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