January 20, 2010

Piep, piep, piep

Im Fernsehen werden unanständige Worte ausgepiept. Manchmal kann man deswegen gerade nachmittags bei den Privatsendern von dem vielen Gepiepe leicht einen Tinnitus bekommen. Manchmal wünscht man sich so etwas Ähnliches auch bei Büchern. Bei Charlotte Roches Buch „Feuchtgebiete“ wäre ich sehr dankbar dafür gewesen. Auf fünf Seiten fand man da eine Bezeichnung für ein primäres, weibliches Geschlechtsmerkmal (im unteren Bereich) in 23 Variationen. Aber das sollte man nicht ausgefeilter Sprachgewandtheit zuschreiben. Hätte Roche ihre Energie auf einen weniger wackeligen Plot und auf eine Sprache verwendet, die nicht dem Niveau eines Deutsch-Kurses in der 8. Klasse entspricht, wäre der Erstling vielleicht um einiges besser geraten. Frei nach Voltaires Ratschlag: „So nachlässig können sie schreiben, wenn sie berühmt geworden sind; jetzt müssen sie sich noch Mühe geben“. Aber egal, der Durchschnitts-Leser von heute fand die vielfältigen Beschreibungen über menschliche Körperöffnungen wohl so interessant, dass sie Charlotte Roche über Wochen den ersten Platz der Spiegel-Bestseller-Liste sichern konnte. Aber das ist jetzt weit über ein Jahr her. Über das „Auspiepsen“ von Softporno-Geschreibsel müssen wir also nicht mehr reden. Trotzdem humpelt Charlotte Roche das Wort „Piepsen“ doch noch hinterher. Ende letzten Jahres als neue Talk-Partnerin von Giovanni di Lorenzo (der zweifelsohne auch schon mal besser war) in 3 nach 9 gefeiert, mokierten sich die Zuschauer nach kurzer Zeit über die allzu „Piepsige Stimme“ Roches. Als alleiniger Entlassungsgrund kann dies freilich nicht gelten.

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