Platons Höhlengleichnis: Irgendwann auch in China?

April 9th, 2008 § 0 comments

Die olympischen Spiel haben mich noch nie sonderlich interessiert. Als man jedoch China als
Ausrichter der olympischen Spiele 2008 benannte, befand ich mich in einem Zustand
zwischen Vogelzeigen, starken Kopfschmerzen, dem Wunsch mich zu übergeben und ganz
laut wie Klaus Kinski zu seinen besten Tagen zu lachen. Meine Augen ruhten fortan (wie das
Auge Saurons) auf diesem Land, dem IOC und den Dingen, die da zwangsläufig kommen
mussten.

Ein Land, in dem Menschen unterdrückt, gefoltert, hingerichtet werden und das
Menschenrechte mit Füßen tritt, hielt ich nicht gerade geeignet für eine solche Veranstaltung.
Da hätte man genauso gut auch im Iran für die paar Wochen sporteln gehen können.
Der Iran ist in diesem Zusammenhang übrigens ein sehr gutes Stichwort. Denn John Coates,
Mitglied des IOC, bewertete die jüngsten Störungen des Fackellaufes und die damit
verbundenen Überlegungen den Lauf abzubrechen so: „Das ist, als ob man dem Terrorismus
nachgeben würde.”
(Darf man da mal den Puls fühlen?)

Genau, solange die Chinesen nur ihre eigenen Leute quälen, sind sie besser als jeder Terrorist-
oder Demonstrant. Was soll uns ein Regime ausgerechnet jetzt interessieren, wo wir doch so
gemütlich das Fest des Völker-Sportes halten wollen. Die Demonstranten sind wie Tante
Erika, die auf allen Familienfesten schlechte Stimmung verbreitet und alte Geschichten
wieder rauskramt. Deswegen mag man Tante Erika auch nicht sehen und hören und hofft,
wenn man nur lange genug das Telefonklingeln und ihre Postkarten ignoriert, dass sie
irgendwann verbittert aufgibt. 
Die Wahrheit ist aber: Nur weil man verbietet bestimmte Dinge beim Namen zu nennen, heißt
das noch lange nicht, dass sie auch nicht mehr existieren. Die Dinge büßen nicht an Relevanz
ein, ganz im Gegenteil.

Dass ein Boykott der Spiele kategorisch ausgeschlossen wird,  mit dem Verweis: Sport hat
mit Politik nichts zu tun und dabei vorschlägt, es doch einmal mit einem Wirtschaftsboykott
zu versuchen, ist schlichtweg blanker Hohn. Das ist so, als würden wir alle eine Runde
Schwarzer Peter spielen. Aber keiner will sich die Nase schwarz anmalen lassen.
Alles hängt mit allem zusammen. Und das nicht erst seit dem die olympischen Spiele in China
stattfinden.

Das Argument: In Moskau damals hat der Boykott auch nichts gebracht,
stimmt so im übrigen auch nicht. Natürlich wird China wegen einem Boykott nicht
Fahneschwenkend auf die Tibeter zugehen, sie in die Arme schließen und sagen: Nun
huschhusch, ihr lieben Tibeter! Ihr seid frei und unabhängig!- Jedoch hätte Chinas politische
Spitze angesichts fehlender Sportler ein Problem. Ein mediales Vorgaukeln gegenüber dem
eigenen Volk, dass die Welt nichts gegen uns hat und es gut findet, wie wir mit Tibetern,
Obdachlosen und streunenden Tieren umgehen, gäbe es nicht mehr. Die Politik in China wird
sich nicht von einen auf den anderen Tag verändern, vielleicht aber das Denken und das
Bewusstsein der Menschen, die in diesem Land leben.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

What's this?

You are currently reading Platons Höhlengleichnis: Irgendwann auch in China? at anjejackert.de.

meta