Qualität, Journalisten und das Internet

July 4th, 2008 § 2 comments

Ich habe im Vorbeigehen eine Frage gelesen: „Gefährdet das Internet den Qualitäts-Journalismus?“ Das ist eine Frage, die eigentlich nur Journalisten stellen können, die mit zittriger Hand Woche für Woche gegen ihre Schreibblockaden kämpfen müssen und dabei heimlich ins Internet gucken, wenn die Arbeitskollegen in der Mittagspause sind. Und nachdem sie das getan haben, fallen ihnen vor lauter Schreck dann solche Fragen ein.

Was heißt denn hier eigentlich Qualitäts-Journalismus? Gibt es den überhaupt oder ist er, wie das an der Schule unterrichtete Oxford English, nur ein Mythos, eine Utopie? Und wenn es ihn gibt, woran kann man ihn zweifelsfrei erkennen? Und warum hat der Journalist mit dem Prädikat: Qualitativ besonders wertvoll, dann ausgerechnet Angst vor dem Internet? Müsste er ja eigentlich nicht.

Als Qualitäts-Journalismus kann sich wohl jeder Bericht bezeichnen, der durch solides, handwerkliches Wissen entstanden ist und sich der Absolution des Presserats sicher sein kann. Diese Art von Journalismus muss in der Lage sein Leitbilder zu formulieren, dabei aber auch gleichzeitig unabhängig von irgendwelchen Einflüssen, Gremien, etc. sein. Der Qualitäts-Journalist muss sich auch mal Kritik von innen und außen gefallen lassen und über die Fähigkeit verfügen, diese gewinnbringend in seiner Folgearbeit umzusetzen. Zwischen all diesen Dingen darf natürlich die gewissenhafte und penible Recherchearbeit nicht zu kurz kommen. So leistet jeder noch so kleine Qualitäts-Journalist einen gewichtigen Beitrag zu unserem kulturellen, demokratischen und bildungstechnischen  Miteinander. Ein Qualitäts-Journalist ist also eine Mischung aus Gott, der alles sieht, weiß und nur das Gute und Wahre will, Robin Hood und der guten Fee aus irgendeinem Märchen. Mit anderen Worten, liebe Kinder: Den Weihnachtsmann und den Qualitäts-Journalisten, so wie sich diese Sparte selber gern definiert, gibt es nicht. Tut mir leid. Nennt mich Pandora.

Sehr wohl gibt es aber Menschen, die einen ganz anderen Beruf erlernt haben, ein ganz anderes Leben führen , als der sogenannte Qualitäts-Journalist und sich trotzdem erdreisten ihre Meinungen, Gedanken, Gehörtes in einen Text zu bannen und ihn ungehörigerweise dank des infamen technischen Fortschritts ins Netz zu stellen, sodass alle ihn lesen können. Und das Schlimmste daran ist, dass solche Texte sogar gelesen und für gut befunden werden. Da grämt sich der Journalist, der doch eine so gute Ausbildung genossen hat und dachte nur ihm wäre der goldene, heilige Griffel verliehen worden. Penis-Neid und Streit im und um das geschriebenen Wort, das ist das 21. Jahrhundert. Vielleicht ist das ja die sogenannte „Preßfrechheit“, von der Goethe schon einst sprach. Wenn dem nicht so ist, muss man sich, angesichts so viel eigen Affenliebe, Misstrauen, Selbstzweifeln und unbegründeter Kritik wundern und mit den Achseln zucken. Mehr nicht.

   

§ 2 Responses to Qualität, Journalisten und das Internet"

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

What's this?

You are currently reading Qualität, Journalisten und das Internet at anjejackert.de.

meta