Haben Sie schon für einen strammen Bier-Vorrat, genügend Grillgut und ein paar Fan-Utensilien gesorgt? Wenn nicht, dann hegen Sie vermutlich keinerlei Glücks-Gefühle hinsichtlich der bevorstehenden Fußball WM oder aber sie gucken auswärts. In einer Kneipe. Im Rudel. Kann ein schönes Erlebnis sein, wenn man ein Fan von unkontrolliertem Körperkontakt, Saunieren und ungefragten Fußball-Fach-Kommentaren ist. Ich dachte bei der letzten EM auch ich sei Massen-kompatibel. Als der Strom zwanzig Minuten vor dem Spiel Deutschland gegen Polen ausfiel wurde die Stimmung…naja…sagen wir: leicht gereizt. Die Türen wurden geschlossen, damit die Leute nicht ohne zu bezahlen abhauten, und der Toilettenbesuch artete zum Abenteuer aus. Nachdem dann aber wieder jeder seine Hände bei sich hatte und die defekte Hauptsicherung ausgetauscht war, ging es erst richtig los.
Plötzlich bestellten sich ganze Heerscharen Menüs, kalte Platten, Knabbereien. Hinter mir trafen sich zwei alte Bekannte im Getümmel wieder und laberten die komplette erste Halbzeit durch. Ich weiß jetzt (obwohl ich es nicht wissen wollte), was bei Frank und Jochen die letzten zehn Jahre los war… Und beim Anblick manch junger Damen, die gern in Horden auftreten, und deren Gruppenziel nichts mit Fußball zu tun hat, fragt man sich oftmals still, was die Damen aus dem horizontalen Gewerbe eigentlich noch tragen könnten, das es hier nicht schon gibt. Spätestens in der zweiten Halbzeit meldet sich die Blase zu Wort (aber der Weg zum Klo scheint unüberwindbar) und auch der Rücken, nebst Gesäß macht sich dringlichst bemerkbar. Wenn man an solchen Abenden dampfend aus der Kneipe kommt, stellt man fest: Rudelgucken wird völlig überbewertet.
Rudelgucken für Misanthropen
June 18th, 2010 § 0 comments