Die Zeiten werden immer unsicherer. Keinem ist mehr zu trauen. Überall lauern Gefahren. Vor allem am Flughafen Dortmund. Dem New York des Ruhrgebiets. Hier hat man sich seit September 2001 auf allerlei Eventualitäten vorbereitet und die Sicherheitskontrollen extremst verschärft.
Konnte man früher in der guten alten Zeit noch an Skat spielendem Fachpersonal winkend mit zwei Pumpguns vorbeilaufen und behaupten dies seien Gitti und Erika, ist es heute vorbei mit den nachlässigen Nettigkeiten. Sperenzchen kann man woanders machen.
Schon beim Einchecken macht die charmante Dame von Air Berlin unmissverständlich klar: Mit uns nicht! Und ruft sofort zwei freundliche 1,90m Männer vom Bundesgrenzschutz, als ich mich weigere meine winzige Reisetasche als Gepäckstück aufzugeben. Daß vor mir jemand sein Golfbag als Handgepäck mit in die Flugkabine nehmen durfte, interessiert nicht. Schließlich nehmen mich die zwei Herren in die Mitte und halten erst wieder Abstand, als ich laut sage: „Hat mich da etwa gerade jemand von ihnen unsittlich berührt?“ – Unruhe in der Schlange der Wartenden kommt auf…
Die Dame von Air Berlin mit der lustigen Clownsschminke bleibt trotzdem dabei: Tasche aufs Band oder in Dortmund bleiben. Ich beuge mich und sinne auf Rache.
In der Sicherheitskontrollzone geht es zu wie bei ALDI: Fünf Kassen, aber nur eine offen. Als ich an der Reihe bin piept es. Wie immer. Trotz fehlender Intimpiercings. Selbstredend werde ich sofort von der Sicherheitsbeamtin als extrem gefährlich eingestuft: „Schuhe, Blazer, Schal – ausziehen!“ – Für Freundlichkeiten, Respekt oder Etikette ist hier kein Platz. Dieses Mal bleibt es auch nicht bei kleinen „Abklopfern“. Beherzt greift man mir nun an den Busen und in den Schritt. Ist sie besonders gewissenhaft oder lesbisch und ich ihr Typ? Ich will es lieber nicht wissen.
Am Gate angekommen warte ich auf den letzten Akt: Das Boarding. Die Dame vom Schalter übernimmt diesen überaus wichtigen Vorgang des „Guten Tag“-Sagens und Kartenabreißens. Ich habe keine Zeit für göttliche Rechtssprechung und trete, nachdem ich meine Bordkarte zurück erhalten habe, mit einem süffisanten Lächeln und in voller Absicht auf den Fuß des Air Berlin Luders und flöte: „Schönen Tag noch.”
An Terror im Flugzeug war an diesem Tag nicht mehr zu denken …
Unter den viele schönen Tugenden die in Deutschland erfunden wurden waren neben Gründlichkeit sicherlich auch Höflichkeit, Herzenswärme und Respekt dabei…
[...] Safety first oder für Terror war keine Zeit mehr … / „Hat mich da etwa gerade jemand von ihnen unsittlich berührt?“ [...]
…die zwei Männer gaben übrigens noch MIT Schäferhund!!Der Hund sah jedenfalls fiter aus als die Herrn.