Schlimm, schlimmer, am schlimmsten

October 10th, 2011 § 0 comments

Ich bin jetzt 30 und dachte, die Zeiten, in denen man von irgendetwas Zwischenmenschlichem erschüttert oder gar getroffen werden könnte, seien vorbei. Schließlich hat man schon allerlei Unerfreuliches erlebt, den Blick geschärft und gelernt nicht jedem das Türchen zum inneren Feinkostladen aufzumachen. Doch ich bin ein törichtes Kind. Wenn einen mit 30 etwas trifft, dann richtig. Es haut einen aus den Puschen und lässt dich verzweifelt den Uralt-Sekt aus dem Kühlschrank kramen, während du einen riesen Stapel Taschentücher vor dem Kühlschrank vollheulst. Noch ein Grund mehr immer 29 zu bleiben…

Und wie mit Ende 20 flüchte ich mich jetzt wieder reflexartig zu meinem alten Haudegen an die poetisch-breite Brust. Fontane hat mir mein ganzes Leben Trost gespendet. Weil er mir immer just in den schlimmsten, traurigsten Momenten einfällt, freundlich-milde lächelt und mir den Kopf tätschelt, wenn ich es am nötigsten habe. Er hat immer recht. Er ist ein guter Mann. Heute habe ich wieder Fontane gelesen und war ganz ruhig…
„»Was ist?« sagte sie, »du siehst so verändert aus.«
»Möglich. Aber es ist nichts. Ich bin vollkommen ruhig.«
»Ach sage nicht das. Wenn man sagt, man sei ruhig, ist man’s nie.«
»Woher weißt du das?«
»Ich glaube, das lernt jeder, dafür sorgt das Leben. Und dann weiß ich es von Pauline. Wenn die zu mir sagt: ›Stine, nun bin ich wieder ruhig‹, dann ist es immer noch schlimm genug.“

-Es ist schlimm genug-.

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