Ich finde Spitznamen –egal ob verniedlichend, despektierlich oder spaßig gemeint – daneben. Ein Beispiel: Meine Tante hatte mal einen Kater, der hörte auf den gediegenen Namen „Othello“. Jeder Shakespeare-Fan dürfte wohl bei so viel Feinsinnigkeit bei der Namenswahl ein Freudentränchen still verdrücken. Doch statt das Tier nun auch so zu rufen, hieß es 17 Jahre lang: „Oettel“. Gerade noch Protagonist in Shakespeares bester Tragödie, dann aus dem Nichts heraus plötzlich –dem Namen nach- irgend ein Durchschnitts-Depp aus Bayern. Eine Bekannte hatte für jeden in ihrem Bekanntenkreis befindlichen Menschen einen Spitznamen parat. Zwischen „Locke“, „Hans A“, „Stinki“, „Streifenhörnchen“, „Smartie-Uwe“, „Tingel-Tangel-Bob“, „Hysterie-Jenny“ oder „Vetter It“ hatte man oftmals Mühe die realen Personen heraus zu filtern. Ihren Erzählungen konnte ich manchmal nur mit großer Mühe folgen. Noch schlimmer sind allgemeine Spitznamen, die jeder einfach mal so verpasst bekommt, frei nach dem Motto: Passt schon. „Süße“ und „Schätzelein“ oder „Hasi“ rangieren dabei auf den vorderen Plätzen und sind Menschen mit einem miserablen Namensgedächtnis eine echte Stütze. Ein befreundetes Paar sprach sich bei jeder Gelegenheit (auch im Streit) mit „Pups“ und „Schnuffel“ an. Mal ganz davon abgesehen, dass das nicht besonders einfallsreiche Spitznamen sind, ist ein wertschätzendes Miteinander auf Augenhöhe unter solchen Umständen fast nicht mehr möglich. Da macht streiten auch keinen Sinn mehr… Naja, irgendwann hatte es sich ausgeschnuffelt und die normale, elterliche Namensgebung war wieder hergestellt.