Seelenheil Deluxe für nur 7,50 Euro im Monat

January 22nd, 2008 § 1 comment

Luther hat einmal gesagt: „Der Verstand ist eine Hure, die mit dem mitgeht, der am meisten bietet.“ Ich meine zumindest mich zu erinnern, dass diese Worte von Luther stammen, obwohl sie mir jetzt, so geschrieben, ziemlich fortschrittlich erscheinen. Kirche und Fortschritt in einem Atemzug zu nennen, halte ich für äußerst gewagt, aber nun gut. Schließlich bemühen sich die Kirche und ihre Vertreter zusehends auch ein bisschen Pepp in die eingeschlafene Beziehung zu ihren Schäfchen zu bringen. Sei es jetzt, dass der Papst Schuhe von einem bekannten und teuren italienischen Designer trägt, statt Sandalettos aus einem klitzekleinen kalabrischen Dorf oder, dass die Protestanten mit Hilfe von Musik-auf-Höhe-der-Zeit junge Menschen ködern wollen. Aber den Schäfchen ist das trotz aller Bemühungen relativ brause. Was bietet Kirche denn heute schon noch, dass man als Freier mitkommen möchte?

Wer auf seinen Lohnstreifen guckt und bemerkt, dass da Geld abgebucht wird, weil man irgendeiner Konfession angehört, wird ungehalten. Manche wissen, bis zu diesem Anblick noch nicht einmal, dass sie überhaupt Kirchenmitglied sind. Und dann kommt natürlich schnell die Frage: Wofür buchen die eigentlich was ab? Gilt der alte Spruch denn immer noch: Der Taler im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt? Soll das etwa alles sein? 

 Neulich stand ein Jüngling vor meiner Tür und hielt mir eine dünne Zeitung entgegen. Dies sei die neuste Ausgabe der Zeitung meiner Gemeinde, verkündete er mir. Und für nur 7, 50 Euro im Monat könne ich sie abonnieren (und mir einen noch schöneren Platz im Himmel sichern). „Woher haben sie meine Adresse?“ fragte ich ohne freundliches Vorgeplänkel und ärgerte mich, dass diese Kirchen-Clique mittlerweile schon aufdringlicher war als die Vertreter von Vorwerk. „Die steht hier im Gemeinde-Verzeichnis,“ und er hielt mir eine tadellos angefertigte Excel-Tabelle mit meinem Namen in Spalte drei entgegen. „Ach, ich gehöre einer Gemeinde an.“ „Jaja, sie sind ja hier gemeldet und die St. Josefs-Gemeinde ist ihre Gemeinde,“ ereiferte sich der junge Mann. „Das fällt der St. Josefs-Gemeinde aber früh ein, dass ich zu ihr gehöre. Ich wohne jetzt seit zwei Jahren hier und keiner hat sich mal bei mir gemeldet, mich begrüßt, besucht, angerufen, gefragt wie es mir geht oder mal ne Karte geschrieben. Das ist doch enttäuschend, das macht doch eine nette Gemeinde nicht, oder? Und jetzt soll ich der Gemeinde zum Dank jeden Monat 7,50 Euro überweisen und so einen Wisch, der sich Zeitung schimpft mitfinanzieren, in der Insider-Informationen stehen, die mich ja gar nicht tangieren können, weil ich ja kein aktives Mitglied der Gemeinde bin? Ich sitz morgen auf dem Amtsgericht und melde mich aus ihrem Verein ab!“

Als ich die Tür dann schwungvoll zugemacht hatte, merkte ich, dass ich da ein wenig über das Ziel hinausgeschossen war und riss die Tür noch einmal auf, um dem Verdutzten, der immer noch auf meiner Matte mit offenem Mund stand in christlicher Manier zu sagen: „Das war jetzt nicht gegen sie persönlich!“

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