January 11, 2009

Am Trapez

Strand:gut, ursprünglich hochgeladen von anjejackert

Auch wenn man versucht so unsentimental wie möglich zu sein in bestimmten Lebensabschnitten, so will es einem doch nicht immer gelingen. Gerade wenn man frisch Abschiede hinter sich gebracht hat, kann man noch so trickreiche Kunststückchen vollführen, ja sogar das Kunstfliegen anfangen und sich dabei selber bewundern und sagen: Ist doch alles gar nicht so schlimm, nicht?

Wenn man dann laut lachend am Trapez hängt braucht es nur einen winzigen Augenblick, einen lächerlichen Erinnerungsfetzen, die Betonung eines ganz bestimmten Wortes, einen Blick durch die Linse, ein abstruses Gefühl, einen bestimmten Geruch und jeder einzelne kleine Abschied meldet sich neben dem großen Abschied der Reihe nach gewissenhaft zum Rapport. Und beinah lautlos lässt man das mühsam gegriffene Stöckchen dann los. Während man fällt, fängt man wieder an zu lachen. Über sich selbst. Und greift dann nach dem nächsten Stöckchen, das ein klein bisschen Halt verspricht. So geht es weiter, man hört auf sich zu wundern und wird irgendwann vielleicht mal ein ganz passabler Trapezkünstler.

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