Es ist doch paradox. Als Kind wollte man ganz dringend und unbedingt „groß“ sein. 20, 30, 40 –egal, Hauptsache weit jenseits der ersten 0 im Leben. Hätte man in den 80ern –meiner Kindheit- jedoch gewusst, dass es im 21. Jahrhundert fast ein bisschen Sittenwidrig ist, öffentlich zu altern und jedem seine ersten, zarten Fältchen zu zeigen, hätte man sich vielleicht nicht ereifert möglichst „reif und altklug“ für sein Alter zu wirken. Ich hätte also nicht Björn Engholms „Ich gebe ihnen mein Ehrenwort“, einfach aus den Nachrichten aufgeschnappt und es bei jeder sich bietenden Situation in den Redefluss eingearbeitet. „Laura, du musst heute noch dein Zimmer aufräumen!“ „Mach ich heute Abend, Mama –ich gebe ihnen mein Ehrenwort!“ -
Bald steht die dritte 0 in meinem Leben an und schon heißt es: „Altes Mädchen“ und man wird von geringfügig Jüngeren wie „Tante Laura“ behandelt. Ich kann nicht leugnen, dass ich mich erst jüngst dazu entschlossen habe, meine giftgrünen Mokassins samt Tasche auszusortieren, da ich mir albern damit vorkam. Man will schließlich nicht irgendwann in die Kategorie Ibiza-Oldie mit dem Faible für Buntes, Burlies und Bum-Bum-Musik fallen.
In einer Zeit, in der sich Menschen für ein glattes Äußeres lieber Reißverschlüsse hinter die Ohren setzen lassen (die sie nachts zum Schlafen öffnen müssen), legt man auch immer mehr Wert auf Sicherheit. Man fürchtet sich heutzutage vor allem. Im Großen und im Kleinen. Leute versichern sich gegen den Einschlag eines Meteoriten oder einer Rakete in ihrem Vorgarten oder aber dagegen, dass sie beim Hinaustreten aus dem beschaulichen Eigenheim von einem Regentropfen erschlagen werden könnten. Für jede Eventualität hat man die richtige Versicherung parat. Ach ja und die Jahresuntersuchungen am Auto sowie am eigenen Leib hält man auch besser geflissentlich ein. Dafür sorgt schon das optimale Zusammenspiel von Pharmaindustrie und Medienlandschaft. Eine fruchtbare Symbiose…
Warum sollte es mir also anders gehen? Da habe ich nun endlich Landgang und hänge am Dienstag bei BMW rum, um wie eine besorgte Mutter das Ergebnis des Werkstatt-Menschen zur Hauptinspektion in Empfang zu nehmen und heute stiefle ich beim Hautarzt raus (Peter Kloeppel sagte neulich ja wieder was von Risikogruppen zur Sommerzeit) und fühle mich richtig gut. Jetzt nur noch zum Augen, Haus- und Frauenarzt und ich kann ein Häkchen in mein Check-Heft machen und den Rest des Jahres unbekümmert leben. Dafür opfere ich mal eben die Hälfte meines Jahresurlaubs und bekomme vor lauter Gedanken machen und Grübeln, Falten. Und fürs Herz ist das auch nicht gut. Von der Seele ganz zu schweigen.
Das 21. Jahrhundert kann mich mit seinen ganzen Gesundheits-, Sicherheits- und Alterswahn – Animositäten echt mal irgendwo gern haben… -da gebe ich ihnen meine Ehrenwort!
Witzig, daß Du als Kind unbedingt älter sein wolltest. Ging mir anders. War überzeugt davon, daß mit 13 alles vorbei sei!
klar, habe ich mir mit 7 mal überlegt, was passiert, wenn ich vergessen sollte zu atmen. und so rechnete ich mir wegen meiner vergesslichkeit nicht lange überlebenschancen aus….aber mit 13 schon alles vorbei? mensch, bjoern! wie kam es nur zu so einer pessimistischen einstellung in so jungen jahren????
Tröste dich, jenseits der 40 wird es noch viel schlimmer.