Ich stand heute beim Bäcker in einer langen Warteschlange. Da ich nicht auf den gesprächigen, agilen Jung-Rentner vor mir reagierte, hatte ich Zeit das Freizeitprogramm, angeschlagen an der hauseigenen Pinnwand, zu studieren. Zwischen Strandfete und Shantychor-Abend traf mein Blick auf ein ganz besonderes Plakat. Ein ganz besonders hässliches.
Darauf zu sehen: Ein moppeliger Oberlippenbart-Mann mit blonden, gegelten Strähnchen, einem quietsch-rosa Hemd und einer überdimensionalen Gold-Uhr, die aussah, als sei sie von einem fliegenden, tunesischen Strand-Händler. Das alles auf türkisfarbenem Hintergrund. „Alles klar“, dachte ich, „ein neuer Lude ist im Dorf“.
Doch dann las ich den Namen. Sagen wir mal: Ein ehrlicher, deutscher Vorname, wie man ihn in den 50ern gern verwendete. Klaus oder Horst. Und ein Nachname, der an Klein-Obst erinnerte. Pflaume oder Traube. Ich nenne ihn an dieser Stelle einfach mal: Klaus Pflaume. Ich las weiter: „Kinderspaß mit Klaus Pflaume“. Und wie um den unheimlichen Spaß, den Klaus Pflaume verbreitet zu unterstreichen, hatte er beide Daumen debil lächelnd in die Höhe gestreckt. Klaus Pflaume soll am Wochenende im Kindergarten auftreten. Einen besseren Grund da auf gar keinen Fall hin zu gehen, kann man gar nicht finden. Noch im Rausgehen, schüttelte ich verständnislos den Kopf.
Am Nachmittag bekam ich eine Einladung: „Samstag, Kindergartenfest mit Klaus Pflaume. Komm doch bitte mit“. –Jetzt muss ich mir den rausgefressenen Hamster auf LSD mit den schlechten Jacketkronen, der Zuhälter-Uhr und der Karikatur eines Hemdes doch noch antun.
Ich werde mit Trockenobst schmeißen…