Ein Utilitarist hat es leicht, denn für ihn ist das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl Zielpunkt seines Handelns. So fördert der Einzelne über das Gemeinwohl sein eigenes Wohl. Er denkt demnach nicht in erster Linie an sich, sondern an alle. Klingt komisch, ist aber so.
Ein Beispiel: Hätte ein zeitreisender Utilitarist im Jahre 1930 Hitler in einem See kurz vor dem Ertrinken um Hilfe schreien gehört, hätte er ihn ersaufen lassen. Denn das Glück bzw. Leben des Schäferhundliebhabers kann nicht über das von Millionen anderer Menschen gestellt werden.
Anderes Beispiel: Hätte damals niemand Jörg Pilawa eine eigene Sendung im Fernsehen gegeben und ihn schön beim Rundfunk gelassen, müsste man sich nicht ständig sein dummes Grinse-Palawa (ich weiß, dass es Palaver heißt) in zig Sendungen anhören.
Man muss als Utilitarist freilich auch ein bisschen Hellsehen können. Aber das ist ja in der heutigen Zeit, dank vieler Sendungen im Nachtprogramm, kein Problem mehr. Ich sage nur: Kurze Frage, kurze Antwort oder Channeling to Africa mit der weißen Hexe vom Niederrhein (die übrigens eine eigene Internetseite hat auf der sie ihre Dienste feilbietet und ihre drei Katzen vorstellt: Hokuspokus, Fauler Zauber und den kleinen Nepper Schleppper).
Aber zurück zum Thema: Warum hat Benthams und Mills ethische Auffassung kaum Nachahmer gefunden? Weil jeder an das größtmögliche Glück für sich selber denkt. Und da sind wir wieder bei dem allseits beliebten “Jeder ist schlecht”.
Bei diesem kleinen Wörtchen frage ich mich immer wieder: Wer ist eigentlich jeder? Ist jeder niemand? Oder ist jeder alle? Ist jeder Uschi und Klaus oder nur Hans-Peter? Dieses Wörtchen macht es einem aber auch nicht besonders leicht, wenn es so schwammig wie manch ein Paragraph aus dem Strafgesetzbuch daher kommt.
In Ingeborg Bachmanns Malina heißt es zwar: “Jeder ist niemand”, aber kann man einem lyrischen Ich glauben, das naja, sagen wir mal eine multiple Persönlichkeit ist?
Fakt ist, dass dieses Wort meistens Menschen benutzen, die meinen ihren eigenen Aussagen mit dem Zusatz: “Jeder sagt das” oder “Jeder sieht das so, wie ich” mehr Gewicht verleihen zu können. Sie meinen jeder wäre ein Totschläger!
Ich persönlich habe deswegen gegen “jeder” eine Art Aversion entwickelt. In manchen Themenbereichen finde ich, hat jeder nichts zu suchen. Deswegen kann im Bezug auf die Welt-Schlechtheit bei mir auch nicht jeder persé schlecht sein, alle auch nicht, niemand sowieso nicht. Mancher Mensch ist schlecht. Und deswegen mag ich mich von Bentham und Mill auch nicht ganz verabschieden (Jungs, noch ist nichts verloren!)