Vollpfosten

January 11th, 2009 § 0 comments

Wenn alle Menschen das Gleiche machen, sich in ihren Handlungen, ihrem Äußeren uniformieren, wäre das Leben öd, vorhersehbar und im Grunde nicht mehr der Rede wert. Dadurch, dass jeder unterschiedliche Erfahrungen macht, andere Interessen, Meinungen und Vorlieben hat, als man selbst, wird das Leben erst interessant. Jaja –geschenkt!

Nun muss man aber gelegentlich damit leben, dass man auf Menschen trifft, die das nicht so sehen. In ihrem kleinen selbst gebastelten Kosmos leben sie umgeben von Menschen, die nicht genug Phantasie und Interesse haben, um sich einen eigenen Kosmos anzulegen. Und da sitzen sie dann in der Kneipe bei einem „gepflegten Glas Wein“ (zuhause kippen sie sich den mit Schraubverschluss rein) und reden über ihre gemeinsamen Ansichten. Das heißt einer redet und der andere sagt: „Ja, genau“ oder „da hast du recht.“ Und dann nippen beide an ihren Gläsern und sind froh, dass sie sich so gut verstehen.

Wenn sie dann noch ein kleines Abgleich in Sachen kultivierter Kleidung (mindestens ein galoppierendes Pferdchen muss zu sehen sein) gemacht haben und sich die noblen Herrenausstatter-Etiketten wie zufällig beim Herausholen des Dupont-Feuerzeuges zeigen, ist die Welt in Ordnung. Dann noch flugs nach solch einem Abend, an dem im Grunde nichts gesagt wurde, den Burberry-Schal umgeworfen, aus der Geldklammer einen Fünfziger mit den für alle verständlichen Worten: „Stimmt so“ auf den Tisch geworfen und dann kann man sich in seinen vergammelten Lupo setzen, der nicht „so eine verdammte Bonzenkarre ist“.

Falls dann aber doch einmal jemand „Fremdes“ in die imaginäre Kleingartenkolonie Einzug hält ist nervöses, abschätziges Gerede angesagt. Auf gar keinen Fall darf man den anderen zu Wort kommen und ihn seinen Kosmos vorstellen lassen. Stattdessen sollte man (der Kleingärtner) seine kleine Welt mit all den Reisen (denn Reisen bildet und weites Reisen bildet noch mehr) zügig vorstellen, in alten Abenteuern kramen (Zigaretten-Schmuggel ist da immer wieder ein großes Thema) und dem „Fremdling“ klar machen, wie dumm er/ sie eigentlich ist. Und modisch daneben übrigens auch (als Frau keine Perlenohrringe und Longchamps-Taschen tragen -mein Gott wie ordinär!)
Als personifizierter Störfaktor tut man schließlich gut daran die Runde unter einem laschen Vorwand vorzeitig zu verlassen. Allerdings nicht, ohne aus seinem Geldbeutel fünf Euro (für die getrunkene Cola) zu kramen und sie dem Kleinstgärtner gönnerhaft in die Hand zu drücken: „Und geb´ nicht alles auf einmal aus, gell!“

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

What's this?

You are currently reading Vollpfosten at anjejackert.de.

meta