March 25, 2008

Von Bürokraten und Hosen

Ich hatte schon immer Probleme mit Hosen. Das fing schon in der Grundschule an. Da sollte ich auf dem Geburtstag eines Klassenkameraden doch mal zeigen, wie toll ich Ballett tanzen kann. Die spontane Kür wollte ich am Ende mit einem Spagat krönen. Der Spagat gelang aber im Schritt gab es ein für mich undefinierbares Geräusch, das alle Umstehenden mit lautem Gelächter kommentierten. Den Rest des Festes verbrachte ich sitzend.

Später probierte ich es mit Jeans-Schlaghosen. Das sah schick aus und machte einen schlanken Fuß. Bei einem Schulausflug war der Fuß aber dann doch so schlank, dass er sich in einem Hosenbein verfing, im Schlag hängen blieb und mich eine 30-stufige Treppe hinabstürzen ließ. Die äußeren Wunden verheilten, das innere Misstrauen gegenüber Hosen wuchs.

Als ich von meinem Auslandsjahr wieder nach Hause fliegen wollte, kehrte ich noch rasch in den Duty-Free Shop ein. Als ich an der Kasse endlich dran war – hinter mir standen schätzungsweise 100 Leute – ging ich schwungvoll in die Hocke und vernahm ein mir wohlbekanntes Geräusch (alle anderen vernahmen es ebenso). Dieses Mal war die Hose vom Schritt bis zum Hosenbund entzwei und ich musste mir meinen Wintermantel umbinden. Nach elf Stunden Flug hatte ich das Malheur vergessen, sprang aus dem Flugzeug, zum Kofferband, zu meinen Eltern und wurde erst an den Vorfall erinnert, als ein wildfremder Rotzlöffel rief: “Na, Sie haben aber einen schönen Schlüpfer an!”

Ab da war ich durch mit dem Thema Hosen. Es war ja ganz gleich, ob ich sie mir zu groß kaufte, aus leichtem oder ganz festen Stoff, auf Hüfte geschnitten oder Taille. Ich kann machen was ich will, diese Ausgeburt der Modehölle mag mich nicht!

Vielleicht ist das mit den Hosen genauso, wie mit Beamten – sie mögen mich nicht. Wir passen einfach nicht zusammen, haben uns in all den Jahren auseinandergelebt.

Ich kann auf ein x-beliebiges Amt kommen und es ist so, als ob per Funk schon am Eingang durchgegeben wurde: “Achtung, sie kommt! Fertig machen zum ärgern!!”

Irgendwo tauchen aus ihren Gesetzbüchern immer neue, scheinbar willkürliche Regeln auf und ich muss es ausbaden. Statt einem Amtsbesuch für eine popelige Angelegenheit brauche ich zehn und muss dann noch mit dem Sachbearbeiter Kaffee trinken gehen.

Manchmal habe ich den Eindruck die stammeln ihre Paragraphen runter, die sie sich in der Mittagspause bei einem großen Schluck aus dem Flachmann ausgedacht haben. Es weiß ja eh niemand so genau, was die da in der Amtsstube den lieben langen Tag so treiben. Hinter verschlossenen Türen werden da bestimmt wilde Partys gefeiert und wenn dann die ersten Nummern wieder aufgerufen werden sitzen alle brav, dumm, gestresst und latent aggressiv auf ihrem Bürostuhl und schikanieren unbescholtene, Rock tragende Bürger/innen wie mich.

6 Comments

  1. Rick says:

    Vielleicht eine reinkarnative Erblast? Möglicherweise bist Du mit dem Urschotten genetisch verwandt und Dein Urahn hat vor Jahrhunderten den Kilt erfunden (aus ähnlichen Gründen)? Wie auch immer, dieser Artikel rockt. Und nimmt jenen Männern Furcht die Angst vor Frauen haben die immer die Hosen anhaben.

  2. Laura says:

    mmmhhh….schottin? das wär doch mal was….dann hab ich jetzt quasi einen migrationshintergrund-juhuhhhh!

  3. Lästaschwesta says:

    Saufen wie ‘ne Schottin kannste ja. Grüße von Deiner Schwester ;-)

  4. bellablog says:

    meine beinkleider haben auch allesamt ein ganz miesen trick drauf: schrumpfen über nacht! leggings sind trotzdem tragisch, soweit würd ich nie mehr gehen.

  5. Laura says:

    deswegen empfiehlt es sich immer kleidung zu kaufen, die mitwächst.auf diese weise wird das ego nicht so strapaziert.-wer stretch-materialien erfunden hat verdient einen nobelpreis… und ich oute mich jetzt hier: ja, ich trage seit jahren (seit jarzehnten möchte ich fast sagen)leggins (ich spreche dieses wort vor freunden aber gern französisch aus (légschonce)und jeder wundert sich, was für ausgefallene dinge ich so am leib trage…;O))

  6. LÄÄÄsterschwester says:

    Darauf einen CHANTRE!Ich bleib bei den Hosen…und die Etiketten schneid ich raus!

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