Was bleibt: Vorfreude

December 19th, 2009 § 0 comments

Scheiße. Schon wieder Weihnachten. Ein bisschen geht’s einem da, wie mit dem Film „Titanic“. Man guckt ihn immer und immer wieder, denkt sich zwischendrin – obwohl man es besser weiß – vielleicht nimmt es ja doch ein gutes Ende, und dann macht’s „gluckgluck“ und der Pott ist doch wieder einmal erstaunlicherweise zum 124. Mal abgesoffen. Zum Kotzen? Ja eben! Und so isses auch mit Weihnachten.
Es fängt mit den Geschenken an. Ärgerliche Angelegenheit. Nie bekommt man das, was man haben möchte oder gebrauchen könnte. Jedes Jahr verlangt einem das – mal größere, mal kleinere – schauspielerische Höchstleistungen ab. Nachher muss man aufpassen, dass man beim Weiterverschenken des Plunders nicht aus Versehen im Laufe des nächsten Jahres nicht gerade denjenigen mit einem Präsent bedenkt, der es einem in einem Anfall von geistiger, geschmacklicher und ignoranter Vollumneblung geschenkt hat. Zu Weihnachten wird jeder Einzelhändler seine Ladenhüter los, solange nur genug Leute auf den letzten Drücker in die Innenstädte des Landes hetzen und alles greifen, was Kunden-strategisch am besten steht. Und jetzt ein Hinweis: NEIN, 4711 Kölnisch Wasser ist kein adäquates Geschenk für eine Frau Ende 20.
Das Essen. Seit August kann man sich mit dem Billig-Gebäck voll fressen. Wo ist da zur Weihnachtszeit noch der Reiz? Macht man sich die Mühe und backt mit den lieben Kleinen selber, fängt das Genöle an: „Die sehen ja gar nicht so aus, wie die aus dem Supermarkt –iiiiiiiiiiiiihhhhhhh-!“ Von Freestyle und guter alter Hausarbeit verstehen die undankbaren Dinger nichts. Aber was will man auch erwarten. Jetzt kommen die Generationen, die Schlumpf-Eis für typisch italienisch und Lasagne aus der Mikrowelle für einen kulinarischen Höchstgenuss halten. Und das Essen am Weihnachtsabend? Hängt einem zum Hals raus. Jedes Jahr das gleiche.
Die Familie. Erst freut man sich, dann könnte man nach drei Stunden im Kreise seiner Lieben direkt wieder die Heimreise antreten. Was sag ich: Flüchten möchte man. 350 Kilometer barfuß im Schnee, wenn es sein muss, Seen bei Minus 15 Grad durchschwimmen –egal. Vorfreude ist die schönste Freude, dabei bleibt es dann auch, wenn es um die eigene buckelige Verwandtschaft geht…Und selbst wenn man sich bis zum Weihnachtsabend konsequent zusammen gerissen hat, dann bricht es spätestens beim Abendessen oder beim Geschenke auspacken wieder durch. Außer der Vorfreude ist einem am zweiten Weihnachtsfeiertag nichts mehr geblieben. Wer ganz souverän ist, schafft es, sich noch bis zum 31. Wieder mit allen zu versöhnen. Der Rest denkt über die angefressenen Kilos nach. -Zum kotzen eben. Sag ich doch.

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