Wer eine Freundschaft tut … ist meistens selber Schuld

January 16th, 2008 § 1 comment

Ich würde einem guten Film oder meiner Lieblingsserie immer den Vorzug geben vor einem mittelmäßigen Gespräch oder Treffen mit Freunden, die man eigentlich nicht braucht, im Grunde auch gar nicht mag, nicht versteht und bei denen man sich fragt, warum sie sich nicht jemand anderes zum nerven suchen können. Überhaupt sind die meisten Freundschaften, oder was auch immer sich sonst so schimpft, was grässliches. Und das in mancherlei Hinsicht.

Genauer betrachtet fällt einem sogar auf, dass die meisten Freundschaften zu 80 Prozent lediglich aus der Liebe zum Klatsch und Tratsch über Menschen im direkten Umfeld bestehen. Und damit sind durchaus auch Männer-Freundschaften gemeint! Sie lästern nur anders, indirekter (heimlich) und sind von Klatsch-Frauen-Gesprächen regelmäßig fasziniert.

Weitere fünf Prozent einer Freundschaft drehen sich um Äußerlichkeiten: Steht mir das Kleid? Ist mein Hintern zu dick? Guck mal, wenn ich nachdenke, dann bekomme ich so Falten auf der Stirn. Ach ja und die Ananas-Diät von Uschi Glas müssen wir auch unbedingt machen, weil man da ja in zwei Wochen annähernd die Hälfte seines Körpergewichtes verlieren kann (wenn man sich beide Beine abschlägt übrigens auch!). Und die Tagesausflüge nach Rom zu Frau Prada, Herrn Gucci und Co. mit der Billig-Fluglinie fallen selbstverständlich auch unter diese Kategorie. Frei nach dem Motto: Wir kaufen uns Sachen, die uns im Grunde gar nicht gefallen, um Menschen zu beeindrucken, die wir gar nicht leiden können. -Das Thema beinhaltet übrigens auch Vorstellungen zu erfüllen, die das jeweils andere Geschlecht angezettelt hat. Dabei kommen dann so abstruse anatomische Mutationen wie Pamela Anderson zustande. (Und dann wundern sich Frauen, warum man sie nicht ernst nimmt…) Wiederum fünf Prozent beschäftigen sich damit darüber zu reden, dass man diese Klischees auf gar keinen Fall erfüllen will, weil man ja total und auf jeden Fall individuell ist und man doch auch das Recht hat über sich zu entscheiden. Nur kleinlaut ertappt sich mancher nachts im Bett bei der Frage: „Oder etwa nicht?”

Die anderen fünf Prozent wendet man dann dafür auf in aller Heimlichkeit, denn man steht doch zu seinem Wort (!), die Vorstellungen im Rahmen seiner Möglichkeiten zu erfüllen: „Nein ich hatte schon immer solche Schlauchbootlippen!”; „WAS? Ich und Sport? Also die Muskeln kommen bestimmt vom Putzen.”; „Nein, ich hab´ keine Bulimie. Ich hab´ schon immer nach Kotze gestunken.” -und viele andere solcher lustigen wie dämlichen Erklärungsversuche.

Die restlichen Fünf Prozent, die eine Freundschaft ausmachen gehen für die Planung und Ausführung der Wochenenden drauf. Schließlich will man sich ja zeigen und am Anfang der nächsten Woche wieder etwas zum Lästern haben.

Da halte ich es lieber mit Theodor Fontane, der schon zu seiner Zeit treffend feststellte: „Lieber Einsamkeit und ein Buch und eine Zeitung, als schlechte Gesellschaft, von der man nichts hat als Ärger und mitunter direkte Beleidigung.” Ein Hoch auf die frei gewählte Misanthropie!

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