Die letzten drei Wochen war es kaum auszuhalten: Diese unsagbare Freundlichkeit, dieses Savoir-Vivre, das wie eine Epidemie um sich gegriffen hatte. Jeder, aber wirklich jeder hatte gute Laune. Und das alles nur wegen der WM.
Sogar in Kaufhäuser, die für ihre ausgesprochene Unfreundlichkeit legendär sind, und wo man sich schon freuen muss, wenn man bei etwaigen, zarten Fragen nicht sofort angepöbelt und verprügelt wird, konnte man ohne Bedenken gehen.
Und jetzt ist alles aus. Deutschland spielt nur noch um den bekackten dritten Platz. Das ist so unnötig wie’ n Kropf. Die große Depression hält jetzt wieder Einzug in das ohnehin schon fragile Gefühlsleben der meisten Deutschen. Und dann noch diese Hitze. Da liegen die Nerven blank.
Auch in Deutschlands-Vorzeige-Kaufhaus, das zuletzt in die Krise geriet. Bei 34 Grad kann das Hirn schon mal cremig werden und die Synapsen funken unaufhörlich: „Alle ausflippen!“
An der Umtauschkasse gibt es unerfreuliches Gerangel um einen Schlüpper, der nicht umgetauscht werden kann. Die plötzlich gar nicht mehr so feine Dame droht, flucht und plärrt in einer Tonlage, das man damit Mücken und anderes Ungeziefer mühelos vergraulen könnte.
An der normalen Kasse das gleiche Bild: Der nächste Echauffierer ist hier die „runter gesetzte Ware, die nur durch eine Gutschrift bei einem eventuellen Umtausch ersetzt werden kann“. Das ist zu viel für den Herren mit dem buschigen Schnäuzer. Was, wenn er plötzlich zuhause feststellt, dass er die Jogging-Buchse doch nicht mehr so prall findet. Und dann? Man kann förmlich sehen, wie die Erbse im Hirn anfängt zu rotieren. „Watt?“ platzt es unartikuliert aus ihm heraus und er kratzt sich das struppige Brustfell auf dem eine Goldkette mit einem „U“- Anhänger ruht. Uwe baut sich langsam vor der Fachverkäuferin auf. „Watt war das?“ wiederholt er. Die Kassiererin wiederholt ihren Text. Von hinten brüllt ein Wartender in der Schlange: „Is hier in dem Scheiß-Laden eigentlich nur eine Kasse auf, oder was?“
Die Kassiererin wendet sich einen kleinen Moment von Uwe ab, und knarrzt ins Mikro: „Frau Müller bitte zur Kasse zwei“. Auch Frau Müller kommt mit Festtagslaune an den Platz. Während ihre Kollegin unbeirrt und in einer bewundernswerten Freundlichkeit Uwe und seiner Jogging-Buchse die Einkaufs-Modalitäten erklärt, spricht Frau Müller, noch bevor sie den ersten Kunden bedient hat, das aus, was alle schwitzend und genervt in der Schlange denken: „Meine Güte, nun nehmen se die Jogging-Hose für neun Euro oder lassen sie es eben bleiben. Es zwingt sie ja keiner dazu, die zu kaufen. Nehmen oder gehen. So einfach is dat“. Uwe schnappt nach der abgestandenen Kaufhaus-Luft, plüstert sich auf, klimpert mit dem Schlüsselbund und Gott-weiß noch was-sonst in der legeren Freizeithose, dann verlangt er den Geschäftsführer und in einem der nächsten drei Sätze die Polizei. Ende einer Einkaufstour.
Ich bin so angenervt, dass ich besser nichts kaufe, alles brav zurück hänge, und gerade im Begriff bin zu gehen, als ich dicht neben mir die folgenden Worte höre: „Mit dir würde ich auch mal gern n‘ Kaffee trinken gehen“. Für einen flüchtigen Moment hoffte ich noch, dass nicht ich gemeint war. Doch da drängelt er sich in mein Gesichtsfeld: Braun gebrannt, zwei Meter groß, 1,50 Meter Kreuz, Oberarme wie eine Eisschnelläuferin, weiße Zähne wie Sabine Christiansen in ihren schlimmsten Zeiten, und schwarze, gegelte Haare. „Heiß-Getränke sind nicht so meins“, höre ich mich noch nuscheln, während ich schleunigst das Weite suche. Die unschmeichelhaften Worte, die der Durchschnitts-Casanova mir hinterher zetert, überhöre ich. Bloß keinen Ärger heute.
Doch der nächste Ausraster ist nicht weit. Im Parkhaus nimmt irgendwer irgendwem die Vorfahrt. Quietschende Reifen, eine Auto-Tür geht auf, ein Kerl springt wie ein Orang-Utan heraus auf den anderen Wagen zu, brüllt und gestikuliert vielsagend. Kurz bevor der andere anfahren will, um sich der unschönen und prekären Lage zu entziehen, geschieht es: Ein Foul der übelsten Sorte. Der Orang-Utan knickt das Deutschland-Fähnchen am anderen Auto ab. Was sich dann in diesem braven, unbescholtenen Parkhaus abspielte, mag ich an dieser Stelle kaum wieder zu geben… – Deutschland, was bist Du nur ohne WM?
Ich kämpfe ja immer noch für mein Revanche-System, nach dem der Dritte nochmal den Zweiten herausfordern darf und bei einem Sieg gegen den (bis dahin vorläufigen) Weltmeister antritt. Und dann gehen wir nahtlos über in die Bundesliga-Saison. Dann würden sich derartige Szenen gar nicht abspielen, alle wären glücklich und zufrieden.
jaja…und dann soll paraguay gewinnen, ne? sag doch nochmal für ALLE: wie war deine wm-prognose? manmanman….ich sitz im stadion lieber wieder neben gundi…..
BERND: Am Thema vorbei setzen 6!Tafeldienst 4 Wochen!
LAURA: Bist du irre?Neben der VUVUZELA von Dortmund willst du sitzen?
DIE SIND VERBOTEN BEI UNS IM STADION!Man man wie bringen wir Gundi bei das
nicht mehr ins Stadion darf???;)
ich quetsch mich doch sowieso wieder schön zwischen bernd und den schönen horst. diese sternstunden des gepflegten fußball-kommentars möchte ich keinesfalls verpassen. soll die mutti doch den tinitus neben der schräpe bekommen……